Floh
Die Sonne ging langsam unter. Jetzt war die richtige Zeit, auf die Jagd zu gehen. Sicherlich würde es einige Tiere am Fluss geben, die ihren Durst löschen. Ich lebte auf einem Planeten, der dreimal so groß war wie die Erde. Entsprechend war die Schwerkraft auch größer. Ein Mensch, der auf der Erde 75 Kilogramm wog, würde hier 225 Kilogramm wiegen. Auf dieser Welt gab es nur Tiere und Pflanzen, die aber im Gegensatz zur Erde kleiner waren, dank der Anziehungskraft. Dafür war unsere Muskulatur stärker. In der Nahrungskette stand meine Art ganz oben. Und ein großes Geheimnis hatte meine Art: Im Gegensatz zu den anderen Tieren waren wir recht intelligent und konnten sprechen. Aber pssst, ich will nun auch nicht aus dem Nähkästchen plaudern, denn schließlich will ich jetzt jagen. Langsam knurrte mein Magen. Ich pirschte durch das Gehölz. Meine Ohren nahmen jedes Geräusch wahr und meine Augen konnten auch hervorragend bei Dämmerlicht gucken. Am Fluss standen drei Antilopen, ähnliche Tiere. Für euch wären es sehr kleine Antilopen. Die hatten eine Größe von einem kleinen Hund. Einer von den Dreien würde eine gute Mahlzeit abgeben. Aber was war das? Ein leises Brummen war am Himmel zu hören. Ich schaute hoch. Sollte das ein Raumschiff von den Sternen sein? Legenden besagten, dass immer mal wieder Sternenschiffe hier auf den Planeten besuchten, aber was die hier wollten, wussten wir nicht. Plötzlich blitzte es am Raumschiff auf, und mich traf ein Strahl. Ich brach bewusstlos zusammen.
Als ich wieder erwachte, befand ich mich in einem Käfig. Hatte mich das Raumschiff vom Planeten entführt? Nach einiger Zeit kam ein Besatzungsmitglied in meinen Raum und hielt mir eine Schüssel mit Fleisch hin. Ich roch es und wusste, dass es mein Essen war. Ich machte einen ängstlichen Eindruck und benahm mich wie ein Tier. Ich wollte nicht, dass er bemerkte, dass ich schlau war. Ich beobachtete genau, wie er versuchte, das Schloss vom Käfig zu öffnen. Es war ein Zahlenschloss und nach kurzer Zeit sprang es auf. Er öffnete die Tür und schob die Schüssel mit Fleisch hinein. Ich hatte mir die Kombination des Schlosses genau gemerkt. Schließlich wollte ich fliehen. Ich wusste nicht, was sie mit mir vorhatten, aber es konnte nichts Gutes sein. Ich musste warten, bis das Raumschiff wieder landete. Dann würde ich versuchen, zu fliehen. Es war besser, auf einem fremden Planeten in Freiheit zu leben, als irgendwo gefangen zu sein.
Ich hatte auch schon einen Plan, wie ich mit Glück aus dem Raumschiff verschwinden konnte. Nach 4 Tagen landete das Raumschiff wieder. Ich wartete noch eine Weile ab und öffnete dann das Zahlenschloss mit meinen Krallen. Das war recht einfach und nun stand die Tür meines Käfigs offen. Jetzt fragt ihr euch sicher, wie ich aus dem Raum kommen konnte, da die Tür ja verschlossen war. Aber so blöd, wie ich aussehe, bin ich nun auch nicht. Habe ich gesagt, dass ich blöd aussehe? Überlest das mal schnell. Oben in der Ecke des Raums war eine Öffnung, eine runde Öffnung. Ich hatte gespürt, dass dort ein kleiner Luftzug herauskam. Das wird wohl das Belüftungssystem dieses Raumschiffs sein. Die Öffnung war 2,8 Meter hoch und hatte einen Durchmesser von 15 cm, aber ich sollte durchpassen. Also nahm ich Anlauf für einen Sprung zur Öffnung. Nun hatte ich leider nicht bedacht, dass ich auf einem Planeten mit reduzierter Schwerkraft war. Hier war es wie auf der Erde, also setzte ich zu viel Kraft für diesen Sprung ein. Ich sprang ab und landete mit meinem Kopf voll an der Decke und fiel wie ein nasser Sack wieder auf den Boden. Das ist wirklich nicht zum Lachen, ich habe mir voll den Kopf gestoßen. So, habt ihr gesehen? Nach dem 7. Sprung habe ich es geschafft und hing oben an der Öffnung. Aber ich hatte Pech. Ich dachte, auf der anderen Seite wäre der nächste Raum, aber nein, es war ein Rohr. Jetzt musste ich durch ein Rohr krabbeln, was man so nennt, es war recht eng hier drin. Es war mehr ein Robben, was ich machte. Wie ihr seht, ich habe es nicht leicht. Und dreckig ist es hier drin. Hier wurde wohl schon lange kein Reinigungsdienst durchgeführt und es war auch noch dunkel. Ich bin dafür, dass Rohre von innen eine Beleuchtung haben sollten. Nach etwa 10 Metern gab es 4 Abzweigungen: eine geradeaus, eine nach links, eine nach rechts und eine senkrecht nach unten. Nein, Leute, ihr braucht mir nicht helfen, ich weiß schon, dass ich den nach unten nehmen muss. Es ist mir klar, dass Öffnungen nach außen am Raumschiff unten angebracht sind und nicht oben. So blöd bin ich nun auch nicht. Ich schaute nach unten in das Rohr, konnte aber das Ende nicht sehen. Aber ich musste nach unten, da hoffte ich nur, dass dort kein Propeller-Teil ist, das frische Luft in die Rohre fördert. Ich habe wirklich keine Lust, als Gulasch zu enden. Denn stellt sich noch die Frage, wer die Sauerei wieder wegmachen soll, aber das sollte mir egal sein. Ich überlegte, ob ich mit dem Kopf oder mit dem Po zuerst in das Rohr rutschen sollte. Ich entschied mich für den Po, da mein Kopf immer noch von der Decke schmerzte. Ich streckte meine Krallen aus, aber am Metallrohr fand ich keinen Halt und landete unsanft auf meinem Po. "Aua". Jetzt stand ich vor dem nächsten Problem: Es gab fünf Abzweigungen, welche war die Richtige? Als Raubtier hatte ich Instinkte, die mir helfen konnten. Ihr könnt sagen, dass ich auch auf mein Bauchgefühl hören könnte, aber das sagte mir nur, dass ich Hunger hatte. Mein Instinkt sagte mir, dass ich das dritte Rohr nehmen sollte. Also kroch ich in das dritte Rohr. Nach kurzer Zeit sah ich ein Licht am Ende des Rohres. Als ich dort ankam, sah ich einen großen Raum mit einigen Fahrzeugen. Das Außenschott war geöffnet, die Gangway heruntergelassen, und von der Besatzung war niemand zu sehen. Ich sprang aus dem Rohr, rannte durch den Hangar, die Gangway hinunter und versteckte mich im nächsten Gebüsch.
Was ist aus mir geworden? Musste ich mich verstecken? Auf meinem Heimatplaneten war ich das mächtigste Tier und musste mich für niemanden verstecken. Ich legte einen Kilometer zwischen das Raumschiff und mich zurück und beobachtete es. Es könnte sein, dass die Besatzung Jagd auf mich machte, aber das war nicht der Fall. Nach drei Stunden startete das Raumschiff und verschwand in den Himmel. Jetzt meldete sich mein Bauch wieder, aber nicht wegen meines Bauchgefühls, sondern weil ich eindeutig Hunger hatte. Ich spitzte die Ohren und hörte ein leichtes Rauschen in der Nähe. Dort musste ein Fluss sein. Wo es einen Fluss gibt, gibt es auch Beutetiere. Als ich den Fluss erreichte, legte ich mich auf die Lauer. Als ich die ersten Beutetiere sah, erschrak ich, sie waren viel größer als auf meinem Heimatplaneten, genauso wie die Bäume und Büsche. Sie waren zu groß für mich, um sie zu erlegen. Aber denkt jetzt nicht, dass ich mich an Nagetieren vergreifen würde. Bäää. Doch was hörte ich da? Ein Gezwitscher von einem Vögelchen. Ich weiß schon, was ihr denkt. Wie kann ich als böses Tier so ein süßes Vögelchen fressen wollen? Ja, ich kann das. Aber bevor ihr euch aufregt, bedenkt, dass ihr auch Brathähnchen esst, die als Küken süß waren. Doch nun lasst mich schnell das Vögelchen fangen, bevor es wegfliegt. Ich machte einen gezielten Sprung und zack, das Vögelchen war in meinem Maul. Ich kaute ein paar Mal und spuckte die Federn wieder aus. Es war nur ein kleines Häppchen, das ich genossen hatte. Ich weiß schon, was ihr denkt. Hoffentlich kommt ein großes Tier, das mich frisst. Aber wisst ihr was? Ich fühlte mich einsam, denn es gab hier kein Tier wie mich. Ich werde wohl den Rest meines Lebens einsam bleiben.
Zur gleichen Zeit auf der Hydra: Die Inspektion der Triebwerke stand an, da wir auf einem Planeten landen wollten. In diesem System machte der zweite Planet einen guten Eindruck. Nach dem Scannen stellten wir fest, dass der Planet eine Tier- und Pflanzenwelt hatte und das Klima recht erdähnlich war. Die Hydra landete auf einer Lichtung. Es war Morgen auf dem Planeten und die Sonne ging gerade auf. Alita sagte zu Jane: "Ich gehe jagen, vielleicht finde ich ein leckeres Abendessen für uns." "Ich würde ja gerne mitkommen, aber ich habe noch so viel zu tun, und ich lasse dich nicht alleine auf die Jagd gehen. Lunaria und Iris kümmern sich um die Triebwerke und die anderen Mädels haben auch noch eine Menge Arbeit zu erledigen." "Ich kann auch alleine gehen, du weißt, dass ich in der Wildnis aufgewachsen bin und ich habe mein Armband-Kombigerät dabei." Annabella hatte das Gespräch mitbekommen und sagte: "Ich habe eigentlich nichts zu tun und ich könnte mal wieder etwas anderes sehen als meine Labore. Wenn du möchtest, Alita, komme ich mit." Alita war damit einverstanden. Die beiden begaben sich zur Waffenkammer. Annabelle griff nach einem Impulsgewehr und Alita sagte: "Wir gehen jagen und wollen nicht den halben Planeten vernichten. Wir werden mit Pfeil und Bogen auf die Jagd gehen, wie in den guten alten Zeiten." "Und wenn so ein Monster-Viech kommt?" "Mach dir keine Sorgen, ich bin bei dir." Annabella vertraute Alita, außer bei Lunaria würde sie bei jedem anderen eine ordentliche Knarre mitnehmen. Als die beiden die Hydra verlassen hatten, fragte Annabelle: "In welche Richtung gehen wir?" "Dorthin." Alita streckte ihren Arm aus und zeigte auf eine Hügelkette. "Das sind mindestens 5-6 Kilometer. Soll ich mir die Füße platt laufen?" Die beiden machten sich auf den Weg und kamen gut voran.
Ich beobachtete, wie das Raumschiff zur Landung ansetzte. Waren das etwa wieder meine Entführer? Doch das Raumschiff sah ganz anders aus. Nach der Landung öffnete sich die Gangway und zwei Besatzungsmitglieder schritten herunter. Ich beobachtete, wie sie in Richtung der Hügelkette gingen. Ich beschloss, ihnen zu folgen und herauszufinden, was sie vorhatten. Ich glaubte nicht, dass sie jagen würden, da eine der Personen viel zu laut im Gebüsch herumtrampelte. Meiner Meinung nach waren die beiden zu ungeschickt zum Jagen.
Alita flüsterte leise zu Annabella: "Wir werden verfolgt und beobachtet. Ich habe ein komisches Gefühl, aber ich weiß noch nicht, von wem. Der Verfolger ist schlau, aber ich werde herausfinden, wer es ist". Annabella antwortete besorgt: "Ich fühle mich nicht wohl dabei. Sollen wir nicht umkehren?" Alita entgegnete jedoch: "Nein, ich werde ihn schnappen". Annabella fragte: "Und wie willst du das machen?" Alita erklärte: "Ich werde eine Falle bauen. Ich denke, unser Verfolger ist recht klein, sonst hätte ich ihn schon gesehen". Alita wusste jedoch, dass der Verfolger sie bei dem Bau der Falle beobachten würde, also musste sie eine Ablenkung schaffen. Sie erklärte Annabella ihren Plan und die beiden begannen damit, Speere aus den Ästen zu bauen. Natürlich war nicht jeder Ast gut genug für einen Speer, aber sie fanden genug Material. Während sie sich zwischen den Ästen bewegten, gelang es Alita, unbemerkt eine Falle zu bauen. Es war eine typische Falle: ein großer gebogener Ast, an dem eine dünne Liane befestigt war, eine Schlinge auf dem Boden. Wenn jemand in die Schlinge tritt, schnellt der Ast nach oben und die Schlinge zieht sich schnell zu und zieht das Opfer in die Höhe. Nachdem die Falle fertig war, ließ Alita einen Schokoriegel in der Mitte der Schlinge fallen, um zu tun, als hätte sie ihn verloren. Dann setzten die beiden ihre Reise in Richtung der Hügelkette fort.
Ich lag gut versteckt in einem Gebüsch und beobachtete die beiden. Was hatten die beiden wohl vor mit den Ästen? Ob es eine Waffe für die Jagd werden sollte? Bevor die beiden weitergingen, sah ich, wie die eine Person etwas aus ihrer Tasche verlor. Jetzt war ich aber neugierig und wartete einen Augenblick, bis die beiden ein Stück entfernt waren. Dann begab ich mich zu dem Teil, der auf dem Boden lag. Das war jedoch ein großer Fehler von mir, denn ich trat in eine Schlinge und sie schnappte zu. Die Schlinge bekam mich an den Hinterlauf zu fassen und zog mich zwei Meter in die Höhe. Ich hing wie ein nasser Sack an der Leine und fing an zu fluchen. Die Wörter, die ich benutzte, sind nicht für den feinen Umgangston geeignet, von daher denkt euch lieber den Teil selbst aus.
Wir waren gerade 150 Meter von der Falle entfernt, als wir hörten, wie sie zuschnappte. "Da war aber jemand sehr neugierig. Lass uns mal sehen, wer in unsere Falle gegangen ist", sagte Alita. Als wir bei der Falle ankamen, fing Alita laut an zu lachen und sagte: "Was ist das für ein Säbelzahntiger-Imitat? Er ist nicht mal größer als ein Floh. Wir werden ihn Floh nennen." Der Vergleich hinkte ein wenig, aber tatsächlich war er so groß wie ein Pudel, aber mit einem extrem muskulösen Körperbau. Annabella sagte: "Hör mal auf seine Laute. Es ist sehr ungewöhnlich, dass ein Tier so viele verschiedene Laute benutzt. Man könnte fast meinen, es sei eine Sprache." Alita schaltete ihren Translator ein, den sie um den Arm trug. Der Translator konnte Sprachen übersetzen. Nach einer Minute hatte der Translator genug Informationen gesammelt, um die Sprache zu übersetzen. "Jetzt glotzt nicht so blöd. Holt mich lieber runter", waren die ersten Worte, die aus dem Translator kamen. "Er scheint ja eine große Klappe zu haben", meinte Annabelle. Alita schnitt das Band durch und Floh fiel auf den Boden. "Du hättest nicht einfach dumm herumstehen sollen. Du hättest mich auch auffangen können", sagte Floh zu Annabella. "So, erzähl uns jetzt etwas von dir, Floh", sagte Alita. Flohs Instinkte sagten ihm, dass er den beiden trauen konnte, also fing er an, seine Geschichte zu erzählen. Alita sagte: "Vielleicht können wir dir helfen, aber ich muss zuerst mit Jane sprechen." Alita nahm per Funk Kontakt mit Jane auf und sagte: "Wir kommen zurück, aber ohne Beute. Dafür bringen wir einen Gast mit." "Einen Gast?", fragte Jane überrascht.
Fortsetzung folgt