7 Tage Wildnis
Die Hydra war in ein neues Sonnensystem eingetroffen. Josie, die Ortungsspezialistin und Astrophysikerin, konnte ihren Augen nicht trauen, als sie auf ihren Bildschirm schaute. "Jane, kannst du mal kommen und dir das anschauen?", bat sie. Jane sah auf den Ortungsbildschirm. "Und was soll ich sehen, außer einer Sonne mit acht Planeten?", fragte sie. "Die Planeten haben unterschiedliche Umlaufbahnen", erklärte Josie. "Ja, das ist bei Planeten so üblich", antwortete Jane. "Aber laut meinen Berechnungen drehen sich die Hälfte der Planeten rechts herum um die Sonne und die andere Hälfte links herum. Das ist ein Naturphänomen, das ich genauer erforschen möchte. Können wir für einige Tage in diesem System bleiben, bis ich meine Forschungen abgeschlossen habe?" fragte Josie. "Ja, das ist schließlich der Zweck der Hydra als Forschungsschiff, und es interessiert mich auch, warum das so ist", stimmte Jane zu. Währenddessen unterhielten sich Alita und Bob. Alita fragte, ob einer der Planeten erdähnlich sei. Der fünfte Planet entsprach dieser Beschreibung und besaß eine Pflanzen- und Tierwelt. "Wie lange werden wir in diesem System bleiben?", fragte Alita Jane. "Ich denke, etwa acht Tage. Josie hat gesagt, dass sie so lange für ihre Arbeit braucht. Was hast du vor?" fragte Jane zurück. "Ich möchte für sieben Tage mit Prinzessin Skara auf diesem erdähnlichen Planeten verbringen, um zu sehen, was sie wirklich drauf hat. Hier auf der Hydra können wir viel simulieren, aber es ist nicht dasselbe wie in der Realität", erklärte Alita. "Du weißt, dass ein unbekannter Planet viele Gefahren birgt. Ich werde dir einen Kampfroboter mitgeben", sagte Jane. "Nein, nur Prinzessin und ich", antwortete Alita. "Das gefällt mir gar nicht, dass ihr beide allein geht", erwiderte Jane besorgt. "Ich werde schon auf die Kleine aufpassen", sagte Alita. Über die Com rief Jane Prinzessin Skara zu sich. "Alita möchte mit dir sieben Tage auf den fünften Planeten, möchtest du mit?" "Oh ja, ich möchte gerne 7 Tage Urlaub machen", erwiderte Prinzessin Skara. "Dann projiziere ein Hologramm von dem Planeten Bob", befahl Jane. Über den Kartentisch entstand eine Projektion des Planeten. "Zeige mir auf der Projektion, wo du hin möchtest, Skara", sagte Alita. Skara deutete mit ihrem Finger auf eine bestimmte Stelle. "Dann fliegen wir dahin, in einer Stunde geht es los", meinte Alita. "Gut, dann werde ich mal meine Sachen packen. Mein Bikini darf ich auch nicht vergessen, schließlich habe ich auf eine Stelle am Meer gezeigt", sagte Skara. "Du ziehst dir Klamotten für einen Außeneinsatz an, sonst nichts", sagte Alita. Der Außen-Einsatz-Overall bestand aus einem festen Stoff, festem Schuhwerk, einem Messer und einer Feldflasche mit einem Liter Wasser.
Noch konnte Prinzessin Skara nicht ahnen, dass sie die nächsten 7 Tage auf Luxus verzichten musste. Sonst wäre die verwöhnte Prinzessin sicherlich nicht mitgeflogen.
Sina hatte die beiden mit einem Shuttle zu dem von Skara gezeigten Ort auf dem Planeten geflogen. Nachdem die beiden ausgestiegen waren, sagte Alita noch zu Sina: "In sieben Tagen sehen wir uns wieder." Das Shuttle startete und verschwand in den Himmel. Skara seufzte und sagte: "Und wir sind jetzt sieben Tage hier, ohne alles. Wir haben nicht mal Funk, um Hilfe zu rufen. Na toll, wäre ich doch bloß auf der Hydra geblieben, statt mich von dir hierher bringen zu lassen." Alita verdrehte die Augen und sagte: "Jetzt jammere nicht herum. Wir müssen sehen, dass wir sieben Tage überleben." Skara schnaubte. "Ich denke, ich werde überleben. Ich kann schließlich auf mich selbst aufpassen. Aber ich bin nicht sicher, ob ich sieben Tage mit deiner Gesellschaft überstehen werde." Skara nahm einen großen Schluck Wasser aus ihrer Feldflasche, sie hatte Durst. "Teile dir dein Wasser ein, von mir bekommst du nichts ab. Und glaube mir, wenn du kein Wasser mehr hast, umso größer wird dein Durst. Also, was machen wir jetzt?", fragte Alita. "Ja, Wasser suchen", erwiderte Skara. "Genau, das ist jetzt das Wichtigste, dass wir Wasser finden. Lass uns mal diesen Hügel hochklettern, dann können wir weit ins Land hinein schauen. Vielleicht sehen wir ja was, wo wir Wasser finden." Alita machte sich auf den Weg und wartete nicht so lange, bis Skara so weit war. Als Alita oben angekommen war, schaute sie sich um, Skara war noch gute 300 Meter entfernt. Als sie näher kam, hörte Alita sie vor sich hin fluchen. Skara war wirklich unerträglich. Als sie oben angekommen waren, sagte Skara zu Alita: "Nächste Mal kannst du gerne auf mich warten." Alita rollte mit den Augen. "Wir sind nicht hier, um zu trödeln. Schau dich um und sag mir, wo wir Wasser auftreiben können. Unser Wasservorrat wird nicht ewig halten." Skara schaute sich um und entdeckte in weiter Ferne ein grünes Tal. Sie deutete mit dem Arm auf das Tal. "Was meinst du wohl, wie weit das von hier entfernt ist?" "Ich denke so ca. 20 km. Lass uns auf den Weg machen", antwortete Alita. Skara zögerte. "Du glaubst doch wohl nicht, dass ich für Wasser 20 Kilometer durch die Gegend latsche." "Dann bleibst du halt hier. Ich denke, in so 50 Stunden bist du verdurstet", sagte Alita und ging los. Skara folgte ihr widerwillig. Die ganzen 20 km war sie nur am Fluchen und Nörgeln. Alita ignorierte sie und marschierte weiter. Nach dreieinhalb Stunden erreichten sie ihr Ziel. Sie schauten sich um und entdeckten an einer Felswand einen kleinen Wasserfall. "So unser Trinken ist gesichert, was brauchen wir denn als Nächstes?", fragte Alita. Skara überlegte einen Augenblick und sagte dann: "Ich denke mal, wir brauchen einen Unterschlupf für die Nacht." "Und woran denkst du da?", fragte Alita. "Vielleicht finden wir ja so etwas in der Felswand, wie eine Höhle", sagte Skara. "Gute Idee, lass uns mal schauen." Und tatsächlich, nach einer Stunde hatten sie eine kleine Höhle entdeckt. Zum Eingang der Höhle mussten sie ein bisschen klettern, aber das war auch gut so, denn das hielt die Viecher über Nacht ab, die es sicherlich hier im Tal gab. "Ich weiß ja nicht, was du willst, aber ich werde jetzt Holz sammeln gehen, um ein Feuer zu machen. Ich will mir heute Nacht nicht den Arsch abfrieren. Es wird bald dunkel und das Feuer hält nachts auch die Viecher ab", sagte Alita. "Das ist schön, dass du ein Feuer machst. Ich warte dann hier auf dich", sagte Skara. "Ich glaube, du hast mich nicht richtig verstanden. Ich mache mir ein Feuer. Das da ist meine Ecke der Höhle und da drüben ist deine Ecke. Wenn du ein Feuer möchtest, dann machst du dir selber eins", erwiderte Alita. "Hast du denn ein Feuerzeug?", fragte Skara.
"Nein, aber ich zeige dir, wie man ein Feuer macht." Die beiden gingen Holz sammeln und Alita zeigte Skara, worauf sie dabei achten musste. Nach einer Stunde waren sie wieder in der Höhle. Alita zeigte Skara, wie man Feuer mit einem Stück Holz und einen Holzstab machte. Nach 20 Minuten brannte Alitas Feuer. Jetzt versuchte es Skara. Auch bei ihr brannte das Feuer nach eineinhalb Stunden, nachdem sie einige Wutanfälle hatte, weil es nicht auf Anhieb klappte. In der Zwischenzeit war es dunkel geworden. "Ich habe Hunger", sagte Skara. "Ich auch. Wir werden morgen als Erstes auf die Jagd gehen", erwiderte Alita. "Womit? Soll ich vielleicht mit dem Messer einem dummen Viech hinterherrennen und es abstechen?", fragte Skara. Alita fing an zu lachen bei der Vorstellung. "Das werde ich dir morgen zeigen, wie wir das machen. Und jetzt wollen wir schlafen." Jeder legte sich neben sein Feuer. Es waren draußen seltsame Geräusche und Tierlaute zu hören. Nach einer Stunde merkte Alita, dass Skara langsam und leise zu ihr ans Feuer gekrochen kam. Die Kleine hatte wohl ein bisschen Angst. Alita musste bisschen schmunzeln, aber sie hatte auch die Verantwortung für Prinzessin Skara. Nach einer halben Stunde war Skara eingeschlafen.
Am nächsten Morgen begann die Sonne gerade aufzugehen, als Alita Prinzessin Skara weckte. "Skara, aufstehen, wir wollen uns frisch machen und dann gehen wir auf die Jagd." "Das ist doch mitten in der Nacht." "Nein, es wird schon langsam hell." "Nicht mal hier kann ich ausschlafen." Nachdem sie aufgestanden waren, gingen sie zum kleinen Wasserfall und machten sich frisch. "Wo denkst du, haben wir das meiste Glück bei der Jagd?" "Ich denke unten irgendwo am Fluss, die Tiere haben sicherlich hin und wieder Durst." "Genau richtig, da werden wir mal auf Spurensuche gehen", meinte Alita. Die beiden machten sich auf den Weg und folgten dem Flussverlauf, um nach Spuren von Tieren zu suchen. Alita zeigte Skara, wie man jede Deckung ausnutzte, ohne dass man von den Tieren gesehen wurde. "Trampel doch noch lauter, denn so werden wir nie ein Tier zu Gesicht bekommen." "Ja, ich werde leiser sein, immer dieses Genörgel." Nach einer halben Stunde fanden sie tatsächlich Spuren von kleineren Tieren, die zum Fluss führten und auch wieder weg vom Fluss. "Was kannst du aus diesen Spuren lesen, Skara?" "Hmmm, dass hier Tiere zum Fluss trampeln und wahrscheinlich ihren Durst stillen und dann wieder verschwinden." "Schau mal genauer hin, hier sind frische Spuren und da ältere Spuren. Das bedeutet, dass die Tiere hier jeden Tag zum Trinken kommen. Ich werde dir zeigen, wie man eine Falle mit einer Schlinge baut." Alita zeigte Skara genau, wie es ging, und nach einer halben Stunde waren die Fallen aufgebaut. "Und was machen wir jetzt? Warten wir hinter einem Gebüsch, bis irgendein dummes Tier in die Falle läuft?", fragte Skara. "Nein, wir gehen zurück zu unserer Höhle und auf dem Weg sammeln wir Brennholz für unser Feuer. Nach fünf Stunden kommen wir wieder hierher und schauen, ob wir Erfolg hatten."
Nach eineinhalb Stunden auf dem Weg von der Höhle zu ihren Fallen machten Skara eine Entdeckung und sagte zu Alita: "Schau mal hier, hier sind große Spuren." Alita betrachtete die Spuren genau und antwortete: "Nach den Spuren zu urteilen und der Größe der Abdrücke würde ich sagen, dass es sich um ein Tier mit sechs Beinen handelt. Das Tier müsste ungefähr 600 bis 700 kg wiegen und es hat Tatzen an den Füßen, mit denen es wahrscheinlich zum Graben verwendet wird." Alita entschied sich, Skara nicht zu sagen, dass es sich bei dem Tier um ein Raubtier handelt und dass es Krallen anstelle von Tatzen hat. Sie wollte Skara nicht beunruhigen, also sagte sie: "Lass uns weitergehen und schauen, ob wir etwas in unseren Fallen gefangen haben." Alita beobachtete die Umgebung weiterhin genau, während sie und Skara ihren Weg fortsetzten.
Als sie bei den Fallen ankamen, bemerkten sie, dass in jeder Falle tatsächlich ein Tier gefangen war. Die Tiere sahen aus wie Hühner, hatten jedoch kein Federkleid, sondern ein weiches Fell. "Oh, die sehen ja süß aus", sagte Skara begeistert. Alita antwortete ernst: "Ja, aber jetzt musst du einen dickeren Ast finden und dein Tier damit erschlagen, damit du es essen kannst." Skara war entsetzt: "Das werde ich niemals tun! Das Tier ist viel zu süß, um es zu töten. Ich werde es freilassen." Alita seufzte: "Hör zu, mein Mädchen, wir töten diese Tiere nicht aus Langeweile oder Spaß. Wir tun es nur, um unseren Hunger zu stillen. Es gibt ein Naturgesetz, das überall gilt: fressen und gefressen werden. Hast du jemals ein Tier in der Wildnis gesehen, das an Altersschwäche gestorben ist?" Skara musste zugeben, dass sie noch nie darüber nachgedacht hatte. "Nein", antwortete sie. "Siehst du", fuhr Alita fort und nahm einen dickeren Ast. "Jetzt musst du dran glauben" und erschlug ihr Tier. Sie übergab Skara den Ast und forderte sie auf, ihr Tier zu töten. "Aber ich kann das nicht", stammelte Skara. "Dann wirst du hungern müssen", erwiderte Alita kalt. "Ich werde dir kein Stück Fleisch von meinem Tier abgeben." Skara seufzte und dachte darüber nach. Schließlich nahm sie den Ast und schlug das Tier tot. Obwohl es ihr schwerfiel, verstand sie nun, dass es manchmal notwendig ist, Tiere zu töten, um zu überleben.
"So, jetzt werde ich dir zeigen, wie man ein Tier ausnimmt", sagte Alita zu Skara. Alita schlitzte den Unterleib des Tieres mit ihrem Messer auf und griff mit ihrer Hand hinein, um die Eingeweide herauszuziehen. Skara musste schnell hinter einem Gebüsch verschwinden und ließ noch einmal das Essen aus ihrem Magen durch den Kopf gehen. Alita lachte und nach einigen Minuten sagte sie: "So, ich bin mit meinem Tier fertig, jetzt bist du mit deinem Tier dran, es auszunehmen." Skara fragte: "Kannst du das nicht schnell für mich machen?" Alita antwortete: "Och, fühlt sich die Prinzessin zu fein für solche Arbeiten? Jetzt komm her und mache das! Oder willst du dein Viech inklusive Eingeweide essen?". Bei dem Gedanken musste Skara schon wieder spucken. Aber sie machte sich jetzt an die Arbeit, während Alita ihr genau erklärte, wie sie vorgehen sollte. Skara kämpfte durchgehend mit ihrem Brechreiz und nach einer halben Stunde war sie endlich fertig. "So schlimm war das doch gar nicht, oder?", fragte Alita. "Na ja, ich weiß nicht so recht, aber eins kann ich dir sagen, jetzt ist mein Magen komplett leer", erwiderte Skara.
Die beiden begaben sich zurück zu ihrer Höhle. Nachdem sie das Fleisch in kleinere Stücke geschnitten hatten, spießten sie ein Stück Fleisch auf einen Holzstab und hielten es über die Glut der Feuerstelle. Nach einigen Minuten war das Fleisch gar. "So, jetzt wollen wir essen", sagte Alita. Nachdem beide satt waren, fragte Alita: "Und, hat es geschmeckt?". "Ja, es war super", antwortete Skara. Es war bereits spät, daher legten sich die beiden hin und wollten schlafen. "Kann ich dich noch etwas fragen, Alita?" "Ja", antwortete Alita. "Wie alt warst du, als du zum ersten Mal ein Tier selbst ausgenommen hast?", fragte Skara neugierig. "Ich war 10 Jahre alt", antwortete Alita. "Und musstest du auch erbrechen?", fragte Skara und grinste. "Na klar", erwiderte Alita und lachte. Kurze Zeit später schliefen sie ein.
Nachdem sie am nächsten Morgen aufgestanden waren, sagte Alita: "Heute will ich dir das Speerfischen beibringen." "Ich glaube, ich weiß, was das ist. Das bedeutet, dass wir wie zwei Idiotinnen im Wasser stehen und darauf warten, dass ein dämlicher Fisch in unserer Nähe schwimmt und wir ihn mit dem Speer aufpicken", antwortete Skara. "Ja, genau", bestätigte Alita. "Boah, es wird Zeit, dass wir wieder auf der Hydra sind. Dort drücke ich einfach auf einen Knopf am Essen-Ausgabe-Automaten und habe mein Fischgericht fertig auf dem Teller", nörgelte Skara weiter. "Statt zu nörgeln, lasse uns stattdessen aus dem Geäst zwei Speere bauen", schlug Alita vor. Nachdem die Speere fertig waren, machten sich die beiden auf den Weg flussabwärts, um eine Stelle zu finden, wo die Strömung nicht so stark war.
"Hörst du das?", fragte Alita besorgt "Ich höre nichts", antwortete Skara "Eben, man hört nur die Stille, keine Tiergeräusche. Es ist, als hätten die Tiere vor etwas Angst", erklärte Alita. "Wovor denn?", fragte Skara, während ihr die großen Spuren von gestern wieder in den Sinn kamen. War das große Tier vielleicht ein Raubtier? Plötzlich kam aus dem Gebüsch ein großes Tier zum Vorschein. Es hatte die Größe eines Nashorns, sah aber einem Bären sehr ähnlich. Allerdings hatte es sechs Beine und an den Füßen lange Krallen. "Da drüben ist ein großer Baum. Klettere schnell hinauf bis zu den dünnen Ästen. Falls das Tier klettern kann, kann es dir bis zu den dünnen Ästen nicht folgen, wegen seines Gewichts. Ich werde versuchen, das Tier abzulenken", sagte Alita schnell zu Skara. Skara rannte los und kletterte den Baum hinauf. "Komm her, du blödes Vieh!", hörte sie Alita rufen. Der Bär näherte sich Alita und stellte sich auf die Hinterläufe, während er knurrte. Der Bär hatte jetzt eine Höhe von etwa 2,70 Metern und fuchtelte mit seinen vier anderen Beinen in der Luft. Ein Stück hinter Alita war ein steiler Hang. Sie könnte jetzt herunterklettern, und der Bär könnte ihr nicht folgen. Aber das kam für sie überhaupt nicht infrage. Sie würde niemals Skara im Stich lassen. Sie wusste genau, dass sie mit ihrem Speer das Herz des Bären treffen musste, um es zu töten. Jede andere Verletzung würde den Bären nur noch wütender machen.
Alita holte aus und warf den Speer. Doch im selben Moment hatte der Bär sein Bein genau vor seinem Herzen und der Speer traf das Bein. Der Bär brüllte laut auf und kam auf Alita zu. "Komm her, du kleiner Teddy. Ich habe immer noch ein Messer", sagte Alita und wusste, dass sie im Falle eines Angriffs keine Chance hätte, wenn der Bär sie mit seinen Krallen erwischte. Die Wahrscheinlichkeit, den Bären nur mit einem Messer zu töten, war sehr gering. Aber sie würde lieber sterben, als Skara im Stich zu lassen. Schließlich hatte sie die Verantwortung für Skara.
Skara beobachtete die Szene vom Baum aus, während Alita ihr Leben riskierte, um sie zu retten. Obwohl sie Angst hatte, wusste Skara, dass sie handeln musste. Sie kletterte schnell vom Baum und schlich sich von hinten an den Bären heran. Als sie fünf Meter entfernt war, nahm sie Anlauf und sprang auf den Rücken des Bären. Mit einem Arm hielt sie sich fest, während sie mit der anderen Hand ihr Messer direkt ins Auge des Bären stieß. Die Klinge durchbohrte das Gehirn des Bären und er fiel sofort tot um. Alita war beeindruckt von Skaras Mut und sagte: "Danke, dass du mich gerettet hast. Das Vieh hätte mich sonst bestimmt zerfleischt. Du bist ein mutiges Mädchen und hast das Herz einer Kriegerin." Skara gestand: "Ich hatte wirklich Angst, aber ich wusste, dass ich handeln musste." Alita antwortete: "Ich verstehe. Wir müssen manchmal unsere Ängste überwinden, um das Richtige zu tun." Nachdem Alita sich den Bären genau angesehen hatten, bemerkte Alita: "Es gibt hier keine weiteren Bären. Dieser hier war ein Einzelgänger und musste sein Revier oft verteidigen. Bis andere Bären davon erfahren, dass dieses Revier frei ist, werden einige Tage vergehen."
Alita nahm ihr Messer und brach einen Reißzahn aus dem Maul des Bären. "Was willst du damit machen?", fragte Skara neugierig. "Das wirst du schon noch sehen, Skara", antwortete Alita geheimnisvoll. In den folgenden Tagen brachte Alita Skara viele Überlebenstipps bei und zeigte ihr, wie sie in der Wildnis zurechtkommen konnten. Abends saßen sie am Feuer in ihrer Höhle und Alita erzählte von all den Abenteuern, die sie in ihrem Leben erlebt hatte. Skara hörte aufmerksam zu und sagte: "Ich wünschte, ich könnte mit dir tauschen, Alita. Als Prinzessin wurde mir alles hinterhergetragen und ich hatte ein langweiliges Leben. Hier auf diesem Planeten erlebe ich mein erstes richtiges Abenteuer und dafür möchte ich dir danken." Alita lächelte und sagte: "Keine Sorge, Skara. Das war bestimmt nicht dein letztes Abenteuer."
Als die sieben Tage vorüber waren, wurden Alita und Skara vom Shuttle wieder zurück zur Hydra gebracht. Als sie die Kommandozentrale betraten, begrüßte Jane sie mit den Worten: "Ich bin froh, dass ihr beide wieder hier seid. Wie war es?" Skara antwortete: "Es war einfach super. Schade, dass die sieben Tage schon vorbei sind. Ich gehe jetzt duschen." Sie verließ die Kommandozentrale und begab sich zu ihrem Quartier. Jane schaute ihr verblüfft nach und fragte Alita: "Was war denn das? Skara hat gesagt, es war super schade, dass die sieben Tage um sind. Ich hatte mich schon auf eine Schimpftirade von ihr eingestellt. Wie konntest du das nur zulassen, dass sie sieben Tage lang auf einem fremden Planeten ausgesetzt wurdet, ohne alles? Was hast du mit ihr gemacht? Hast du ihr eine Gehirnwäsche verpasst?" Alita antwortete: "Die Geschichte wird dir Skara nach dem Abendessen erzählen. Ich muss noch schnell etwas erledigen und dann will auch ich duschen. Ich bin gespannt auf ihre Erzählung." "Ich auch", sagte Jane.
Nach dem Abendessen sagte Jane: "Lasst uns das Geschirr wegräumen, damit Skara uns die Geschichte erzählen kann." Daraufhin sagte Skara: "Ja, Mädels, räumt mal das Geschirr weg, ihr wisst ja, ich bin eine." Sie unterbrach ihren Satz, als sie Janes Blick bemerkte, und fuhr fort: "Ist ja schon gut, ich helfe mit." Als alle wieder am Tisch saßen, begann Skara ihre Geschichte von den Planeten und dem Abenteuer, das sie mit Alita erlebt hatte, zu erzählen. Nach drei Stunden war sie fertig. Die Mädels waren beeindruckt. Lunaria sagte: "Ich habe von Anfang an gesagt, dass in ihr viel mehr steckt, als wir vermutet haben." Alita stand auf, ging zu Skara und holte aus ihrer Hosentasche eine Kette hervor, an der der Reißzahn des Bären befestigt war. Sie legte die Kette um Skaras Hals und sagte: "Bei meinem Volk war es Brauch, dass ein Krieger oder eine Kriegerin, die ein großes wildes Tier mit nur einem Messer erlegt hatte, wie du den Bären, den Reißzahn an einer Kette um den Hals bekam. Das bedeutet, dass sie sehr mutig war. Du hast dir den Zahn wirklich verdient." Skara strahlte über ihr ganzes Gesicht und sagte zu Alita: "Danke, ich werde den Zahn in Ehren halten." Die Mädels standen auf und gratulierten Skara. Skara sagte zu Jane: "Ich möchte auch eine Kriegerin werden, darf ich das?" "Ja, das darfst du. Du wirst mich sowieso so lange nerven, bis ich es dir erlaube", sagte sie. Skara nahm Jane in den Arm und sagte: "Danke, du bist die beste." "Morgen um 8 Uhr im Trainingsraum", sagte Lunaria. "Denn werde ich mich für die nächste Zeit auf Knochenbrüche einstellen", meinte Annabella, die Ärztin. "Wieso das denn?", fragte Skara. "Ich bezweifle sehr stark, dass du Lunarias Trainingsprogramm ohne Knochenbrüche überstehst", erwiderte Annabella. Skara machte ein leicht ängstliches Gesicht. Die Mädels lachten.
Fortsetzung folgt