Ein alter Feind
“Ich habe hier sechs Raumschiffe in der Ortung”, meldete Josie, unsere Ortungsspezialistin, an Jane, unsere Kommandantin. “Gibt es schon genauere Daten zu den Schiffen?”, fragte Jane. “Noch nicht, sie sind noch zu weit weg”, antwortete Josie. Ein paar Minuten später sagte sie: “Jetzt bekomme ich genaue Daten von den sechs Schiffen rein. Sie kommen mir irgendwie bekannt vor, aber ich weiß nicht genau warum”. “Kannst du etwas mit den Daten anfangen, Bob?”, wandte sich Jane an unsere KI. “Ja, das kann ich. Es sind sechs Kampfschiffe der Dalta-Klasse, die vor 400 Jahren von den Dalkons benutzt wurden, als die Menschheit mit ihnen im Krieg war”, erklärte Bob. “Ihr wart im Krieg mit ihnen?”, wollte Alita wissen. “Ja, vor 400 Jahren. Das ist lange her. Jetzt haben wir ein gutes Verhältnis zu den Dalkons und führen auch einen regen Handel mit ihnen. Wir haben schon lange einen Friedensvertrag mit ihnen”, berichtete Jane. Nora sagte: “Wie kommen die Schiffe hierher? Sie müssen mehr oder weniger schon Wracks sein. Weißt du das, Bob?”. “Nicht alles kann ich wissen, aber eins ist sicher: Über das Sonnenfünfeck unserer Galaxie sind sie sicherlich nicht gekommen. Mit diesen Raumschiffen in das Zentrum der Galaxie einzudringen, ist unmöglich. Ihr wisst ja selbst noch, dass unsere Hydra bei dem Versuch fast zerstört wurde”, sagte Bob. “Dann stellt sich jetzt die Frage, wie sie hierhergekommen sind. Die Antwort darauf könnte für uns sehr interessant sein”, meinte Jane. “Dann müssen wir eine Verbindung mit den Schiffen herstellen”, schlug Alita vor.
Die Hydra hatte sich bis auf 50000 km an die feindlichen Schiffe angenähert. “Bob, stelle eine Verbindung her”, befahl Jane, die Kommandantin vom Raumschiff Hydra. “Verbindung steht, du kannst sprechen”, antwortete Bob. “Hier spricht Jane, die Kommandantin vom Raumschiff Hydra. Wir kommen in Frieden. Unsere Völker haben seid ein paar Jahrhunderte einen Fiedensvertrag”, sagte Jane in das Mikrofon. Kurz darauf erschien auf dem Panoramaschirm ein Dalkone, der Jane anstarrte. “Das glaube ich dir nicht, du bist ein Erdling, unser Feind”, knurrte er und unterbrach die Verbindung. Gleich darauf hüllten sich die sechs Raumschiffe in ihre Schutzschirme ein. Jane schlug mit ihrer Hand auf den roten Alarm-Knopf. Sofort fuhr der Schutzschirm der Hydra hoch. Lunaria sprang mit einem Satz an die Feuerorgel. Die sechs Schiffe eröffneten das Feuer. Die ersten Treffer ihrer Impulskanonen trafen den Schutzschirm der Hydra. Bob sagte: “Wir müssen uns keine Sorgen machen, ihre Kanonen sind so schwach, dass sie unseren Schutzschirm nur kitzeln. Der Schirm wird nur mit zwei Prozent belastet.” “Soll ich das Feuer erwidern?”, fragte Lunaria. “Nein, erst mal nicht, der Beschuss stellt für uns keine Gefahr dar”, erwiderte Jane. Nach ein paar Minuten stellten die sechs Schiffe das Feuer wieder ein. Eines der sechs Schiffe versuchte erneut, eine Verbindung mit der Hydra aufzunehmen. Auf dem Panoramaschirm wurde der gleiche Dalkone sichtbar und sagte: “Ich bin Mohle, der Kommandant der sechs Schiffe. Jetzt glaube ich, dass unsere Völker einen Friedensvertrag haben, denn ihr habt nicht zurückgeschossen. Kann ich mit einem Beiboot zu eurem Raumschiff hinübersetzen und mit euch reden? Vielleicht könnt ihr uns helfen.” Jane überlegte einen Augenblick und antwortete dann: “Ja, aber nur ohne Waffen.” Mohle willigte ein. “Irgendetwas stimmt mit dem Typen nicht, ich habe da so ein Gefühl”, sagte Alita leise zu Jane.
Ein kleines Beiboot kam auf die Hydra zu. “Josie, scanne das Beiboot nach Waffen oder Ähnlichem, was uns gefährlich werden könnte”, befahl Jane Josie. Kurz darauf sagte Josie: “Es gibt nichts Verdächtiges auf dem Beiboot.” “Alita und Lunaria, geht ihr gleich in den Hangar und begrüßt unseren Gast. Und Lunaria, du behältst ein Auge auf ihn”, sagte Jane zu den beiden. “Mit dem größten Vergnügen. Und wenn er Zicken macht, ist er einen Kopf kürzer”, erwiderte Lunaria grinsend. “Jetzt übertreib nicht gleich, du sollst nur ein Auge auf ihn haben”, beruhigte Jane sie. Jane wusste, dass Lunaria nichts entgehen würde. Aber da täuschte sie sich.
Das Beiboot flog in den Hangar hinein. Nach dem Druckausgleich begrüßten Alita und Lunaria Mohle und begleiteten ihn in die Kommandozentrale. Nachdem sie sich alle gegenseitig vorgestellt hatten, nahmen sie Platz am Kartentisch. Jane fragte Mohle: “Wie seid ihr in die Andromeda-Galaxie gekommen?” Mohle berichtete: “Es geschah vor etwa 400 Jahren. Die Aufzeichnungen unserer Vorfahren besagen, dass sie durch eine Anomalie hierher verschlagen wurden. Es waren 24 Schiffe, 1920 Männer und Frauen. Wir sind jetzt in der zwölften Generation und nur noch 54 Männer und Frauen übrig. Durch die Anomalie wurden auf allen Schiffen die Überlicht-Antriebe zerstört. Wir waren in diesem System gefangen. Ein System ohne bewohnbare Planeten. Durch die Unterversorgung im Laufe der Jahrhunderte starb die Besatzung dahin, vor allem durch Energiemangel. Wir sind jetzt der Rest und in vier Monaten wird es uns auch nicht mehr geben, dann ist die Energie aufgebraucht. Ich weiß nicht, wie ich den Rest meiner Mannschaft noch retten kann.” “Ich denke, da kann ich euch helfen”, sagte Jane. “In 52 Lichtjahren gibt es einen paradiesischen Planeten, der unbewohnt ist. Wir könnten euch und eure Mannschaft mit der Hydra hinbringen. Dann könntet ihr dort ein neues Leben beginnen.” “Das würdet ihr für uns tun?”, fragte Mohle erstaunt. “Das besiegeln wir mit einem Handschlag.” “Ja”, sagte Jane und reichte Mohle die Hand. Plötzlich brach Jane bewusstlos zusammen. Ein Bruchteil einer Sekunde später spürte Mohle die Klinge von Lunarias Schwert an seiner Kehle.
Lunaria entdeckte sofort die kleine Wunde, die Jane an der Hand hatte. Sie holte zum Schlag aus. Ihr war sofort klar, das Mohla die Schuld hatte, das Jane bewusstlos zusammen gebrochen war. Alita sagte scharf "Halt Lunaria“. Lunaria gehorchte, schließlich war Alita die stellvertretende Kommandantin. Mohla fing an zu grinsen und sagte "Ich habe eure Kommandantin vergiftet, sie wird in 24 Stunden sterben, wenn sie nicht das Gegenmittel bekommt. Wenn ihr auf meine Forderungen ein geht, dann bekommt ihr das Gegenmittel“. "Lunaria, Skara schafft mir den Kerl aus den Augen ab mit ihm in die Arrestzelle“ befahl Alita. Mohla hatte seinen kleinen Fingernagel mit Gift präpariert und Jane eine kleine Wunde an ihre Hand zu gefügt. In der Zwischenzeit kümmerte Annabelle um Jane, sie wurde auf die Krankenstation gebracht. "Annabella, ich möchte schnellstmöglich einen Bericht“, forderte Alita Annabella auf. Nach einer Stunde betrat Annabella die Kommandozentrale und alle nahmen Platz an den Kartentisch. Annabella fing an zu berichten "Ich habe Jane gründlich untersucht, auch ihr Blut. Sie wurde eindeutig vergiftet. Das Gift ist uns bekannt, nach meiner medizinischen Datenbank stammt das Gift von einer Pflanze, die es auf der Heimatwelt der Delkons gibt. Laut Datenbank wurde nie ein Gegenmittel für das Gift gefunden. Bob, hast du noch was in deiner Datenbank?“. "Ja aber nicht viel. Das Gift wurde von den Dalkons in den Krieg benutzt, überwiegend für Attentate. Es gab niemals einen Überlebenden, die vergiftet wurden mit dem Gift“. Bob projektierte eine 3D-Aufnahme der Pflanze über den Kartentisch. Sina sagte "Die hat eine Ähnlichkeit eines Kaktus, wie es auf der Erde gibt“. "Da, hast du recht“, erwiderte Bob und fuhr fort "Diese Pflanze ist auf der Heimatwelt der Dalkons sehr verbreitet. Die kleinste Wunde durch den Stachel solch einer Pflanze und man ist rettungslos verloren. Aber wie Annabella schon sagte, es gibt kein Gegenmittel für das Gift, außer bei den Dalkonen selber, da ist, kein Totes fall durch das Gift bekannt. Also wird unser Freund Mohla auch ein Gegenmittel haben“. "Annabella, kannst du ein Gegenmittel herstellen?“, wollte Alita wissen. "Vielleicht würde ich das schaffen, aber nicht in 24 Stunden, jetzt sind es nur noch 22 Stunden, dafür würde ich Monate brauchen. Wenn Jane nicht innerhalb von 22 Stunden das Gegenmittel bekommt, wird sie sterben, ich kann ihr nicht helfen“. "Alita, lasse mich mit diesen Mohla eine halbe Stunde alleine in einen Raum, dann wissen wir, wo wir das Gegenmittel herbekommen“, sagte Lunaria. "Wir werden keine Folter anwenden“, sagte Alita scharf. "Du gönnst mir auch kein Spaß, zb ihn einzeln die Finger brechen, oder so, schließlich geht es um das Leben von Jane, oder hast du einen besseren Plan?“. "Wir wollen mal sehen, was Mohla für Forderungen hat, schafft ihn herbei“.
10 Minuten später saß Mohla auch mit am Kartentisch. Er sagte mit ein Lächeln im Gesicht "Wie geht es eure Kommandantin?“. "Du weißt ganz genau, wie es ihr geht, was sind deine Forderungen für das Gegenmittel?“. "Ist doch ganz einfach, meine Mannschaft und ich bekommen die Hydra und ihr bekommt unsere Schiffe und das Gegenmittel“, sagte Mohla. Alita fing schallend an zu lachen und sagte "Das glaubst du wohl selber nicht, das wir darauf eingehen und warum sollten wir dir jetzt vertrauen?“ "Weil es eure einzige Chance ist, eure Kommandantin zu retten“. Mohla konnte nicht ahnen, wie sehr er Alita in die Enge trieb. Alita würde alles tun, um Jane zu retten, sogar ihr eigenes Leben für sie hergeben. Aber sie konnte auf den Handel nicht ein gehen. Wenn es nur um ihr ginge, denn schon, um Jane zu retten. Aber sie hatte die Verantwortung über die Besatzung der Hydra. Die Besatzung würde auf dem anderen Schiffe nach einige Monate sterben, wegen Energie Mangel und ob sie das Gegenmittel erhalten würden, war auch noch sehr fraglich. Alita sah in den Augen von Mohla, das er seine Forderungen durchsetzen würde, auch wenn es sein Leben kosten würde. Aus ihm würden sie nichts herausbekommen. "Und, jetzt raus aus der Kommandozentrale mit dem Kerl, ich will den nicht mehr sehen, ab mit ihnen in die Arrestzelle“ ,befahl Alita. "Alita noch mal, lasse mich mit dem Kerl eine halbe Stunde alleine und er wird mir erzählen, wo wir das Gegenmittel herbekommen“, sagte Lunaria. "Er wird nichts sagen“. "Woher weißt du das?“ "Ich sah es an seine Augen, er wird alles tun, um seine Mannschaft zu retten“. "Dann, setzen wir mit einem Shuttle zu eins der Schiffe rüber und werden ein seiner Besatzung in die Mangel nehmen, von denen wird sicherlich einer plaudern“, meinte Lunaria. "Nein, werden wir nicht. Folter wäre nicht im Sinne von Jane“. "Uns, rennt die Zeit durch die Finger, in 11 Stunden wird Jane sterben“, erwiderte Lunaria.
“Es ist deine Schuld, wenn Jane stirbt, Alita”, schrie Skara mit Tränen in den Augen und rannte aus der Kommandozentrale. “Skara hat das nicht so gemeint, Alita”, sagte Annabella. “Ich weiß, sie hängt sehr an Jane, auch wenn die beiden sich gerne mal anzicken”, sagte Alita. Plötzlich entspannte sich Alitas Gesicht und sagte: “Ich habe jetzt Hunger, ich werde erst mal was essen.” Alle schauten Alita entgeistert an und Lunaria sagte: “Wie kannst du in dieser Situation an Essen denken?” “Jane wird nicht sterben und verhungern will ich auch nicht”, sagte Alita mit einem Lächeln im Gesicht. “Glaubst du jetzt an Wunder?”, wollte Nora wissen. “Nein, aber ich verlasse mich auf meine Instinkte und die sagen mir, dass Jane nicht sterben wird.”
Alita verließ die Kommandozentrale in Richtung Bordküche. Die Stunden vergingen und nichts geschah. Es waren nur noch vier Stunden, bis Jane sterben würde. In der Zwischenzeit hatte Skara sich bei Alita entschuldigt, dass sie das nicht so gemeint hatte. Alita machte immer noch ein entspanntes Gesicht und Josie sagte: “Deine Selbstsicherheit möchte ich auch mal haben. Nicht mehr lange und Jane wird sterben und du unternimmst nichts.” “So schnell stirbt es sich nicht”, erwiderte Alita lächelnd. Annabella spielte mit dem Gedanken, Alita das Kommando zu entziehen und Alita für unzurechnungsfähig zu erklären und Lunaria das Kommando zu übergeben. Als Ärztin konnte sie das. Aber sie wusste, wenn Lunaria das Kommando hätte, dann würde es Tote geben. Lunaria würde mit allen Mitteln versuchen, an das Gegenmittel zu kommen. Sie verwarf den Gedanken gleich wieder. Schließlich vertraute Annabella Alita ohne Einschränkungen. Jetzt waren es nur noch zwei Stunden bis zu Janes Tod. Die Gesichter der Besatzung wurden immer ernster, bis auf Alitas.
Plötzlich sagte Annabella: “Ich hab’s, ich weiß, wie ich Jane retten kann.” “Wie?”, wollte Alita wissen, wie die anderen auch. “Ich sage nur das Wort Evolution”, sagte Annabella. “Na klar, wieso bin ich nicht darauf gekommen”, sagte Bob. “Weil ich die Ärztin und Biologin bin und nicht du”, erwiderte Annabella. “Kläre uns auf, was du mit Evolution meinst”, forderte Alita Annabella auf. “Über die Jahrtausende, als sich das Volk der Dalkonen auf ihrem Planeten entwickelt hat, entstand eine natürliche Immunität gegen das Gift. Da kein Todesfall bei den Dalkonen durch das Gift bekannt ist. Um es einfach zu sagen, ich kann aus dem Blut von unserem Mohle ein Serum herstellen, das ist eine Sache von einer halben Stunde.”
Nach einer Stunde war das Serum hergestellt und Annabella verabreichte Jane eine Injektion. Fünf Minuten später öffnete Jane ihre Augen. Annabella untersuchte Jane noch mal ganz genau, sie war wieder gesund. Die beiden betraten die Kommandozentrale. Skara kam auf Jane zugelaufen und nahm sie in den Arm und drückte sie. Jane schaute ganz verblüfft und fragte: “Hat Skara irgendwie in der Zwischenzeit eine Dummheit angestellt, dass sie jetzt anfängt, kleine Brötchen zu backen, damit ich sie nicht so hart bestrafe?” Alita lachte und sagte: “Nein, hat sie nicht, sie freut sich nur, dass du am Leben bist.” Alita erstattete Jane einen genauen Bericht, was in der Zwischenzeit geschehen war.
Trotz allem half die Besatzung der Hydra den Dalkonen und setzte sie auf einem paradiesischen Planeten ab. Danach verschwand die Hydra wieder in den Weltraum.
Fortsetzung folgt