Die Explosion
"Jane, ich habe die vier Planeten gescannt", berichtete Josie. "Der erste Planet ist eine Gluthölle. Der zweite Planet hat eine Methanatmosphäre. Der vierte Planet ist ein Eisplanet. Der dritte Planet scheint, dass er einmal eine Zivilisation hatte. Auf dem Planeten gibt es viele Ruinen. Nach meinen Messungen hat es vor einigen Jahrhunderten einen Atomkrieg gegeben. Es scheint, dass sich die Zivilisation selbst ausgelöscht hat. Aber der radioaktive Niederschlag ist jetzt so unbedeutend, dass der Planet ohne Probleme wieder Leben tragen könnte." "Aber ich habe noch etwas entdeckt. In einer niedrigen Umlaufbahn wird der Planet von einem kleinen Mond umkreist. Der Mond hat einen Durchmesser von 150 km. Von dem Mond messe ich Energie-Werte. Vielleicht gibt es dort eine Station, die zum Teil intakt ist", fuhr Josie fort. "Vielleicht sollten wir uns das mal anschauen. Wer weiß, was wir dort entdecken", meinte Jane.
Der Einsatz wurde am Kartentisch besprochen. "Wer soll am Einsatz teilnehmen?", wollte Alita von Jane wissen. "Du, du hast auch das Kommando. Iris ist mit dabei", antwortete Jane. Sina unterbrach Jane: "Kann ich auch dabei sein? Ich war schon lange nicht mehr bei einem Außeneinsatz." "Ja, kannst du. Skara kann die Steuerung der Hydra übernehmen. Die Hydra in einer Umlaufbahn zu halten ist nicht so schwer, das bekommt Skara hin", erklärte Jane. Skara war damit nicht wirklich einverstanden, aber sie sagte nichts. Ihr war klar, dass sie bei diesem Job vor Langeweile zu Tode kommen würde. Eigentlich hatte sie dabei gar nichts zu tun, nur die Instrumente im Auge behalten, damit die Hydra auf Kurs blieb. "Was ist mit dir, Nora? Willst du auch mit zum Einsatz?" wollte Jane wissen. "Ja, ich fliege mit. Vielleicht ist da etwas Interessantes für mich", antwortete Nora. "Gut, dann steht das Team fest. Alita, Iris, Sina und Nora", verkündete Jane. "Und was ist mit mir? Werde ich überhaupt nicht mehr gefragt? Das letzte Abenteuer ist schon lange her, ich will auch mit", meldete sich Elva zu Wort. "Und wer soll auf dich aufpassen? Vielleicht gibt es dort ja Spinnen, die dich fressen wollen", erwiderte Alita. "Die sollen gerne kommen, denen werde ich schon den Weg zeigen, wo es langgeht", konterte Elva. Mut fehlte dem kleinen Bienchen nicht. "Du hörst aber auf das, was Alita sagt. Dann kannst du von mir aus mitfliegen", entschied Jane. "Ich höre immer, was mir gesagt wird", erklärte Elva unschuldig. "In einer Stunde ist Start. Macht euch schon mal fertig", befahl Jane.
Eine Stunde später verließ das Shuttle die Hydra und nahm Kurs auf den kleinen Mond. "Wir werden den Mond erstmal ein paar Mal umrunden und genau scannen", befahl Alita. Sina schwenkte das Shuttle in eine enge Umlaufbahn um den Mond. "Was sagt der Scanner, Iris?", fragte Alita. "Der Mond hat mehrere Höhlen und eine sehr große Höhle. Von dort kommen die Energie-Werte", antwortete Iris. "Dann wollen wir mal sehen, dass wir einen Eingang zur Höhle finden", sagte Alita. Der Eingang wurde schnell gefunden, und er war recht groß. Das Shuttle konnte problemlos hineinfliegen. Der Eingang hatte einen Durchmesser von ungefähr 70 Metern. "Dann lass uns vorsichtig hineinfliegen, Sina", befahl Alita. Das Shuttle flog mit langsamer Geschwindigkeit in den Eingang. Kurz darauf erschien vor ihnen eine große Höhle mit einem Durchmesser von etwa 3 Kilometern. Die Höhle hatte keinen Boden im eigentlichen Sinne, sie war eher kugelförmig. Sie war mit einer Vielzahl von großen Stahlträgern durchzogen, an denen wiederum einige Module hingen. Es wurden insgesamt 12 Module gezählt. Die größten von ihnen hatten eine Länge von 80 Metern und einen Durchmesser von 30 Metern. Die Module waren wiederum mit Röhren verbunden, die es ermöglichten, von einem zum anderen Modul zu gelangen. "Die Scanner zeigen keine Lebenszeichen auf den Modulen an", sagte Iris zu Alita. "Schau mal da drüben, Alita. An das Modul scheint so eine Art Shuttle angedockt zu sein", sagte Sina. Iris zeigte auf ein Modul und sagte: "Von diesem Modul kommen die Energie-Werte. Sicherlich ist dort die Energieversorgung für die Station. Und an dem Modul da drüben scheint es so etwas wie eine Andockvorrichtung zu geben." "Sina, dann fliege mal zur Andockvorrichtung. Wenn wir wissen wollen, welchen Zweck diese Station hat, müssen wir uns den Laden von innen anschauen", entschied Alita. Kurz darauf dockte das Shuttle an die Andockvorrichtung an.
Nachdem sie ihre Raumanzüge angezogen hatten, betraten sie das Modul. In der Station gab es keine Luft. Sie mussten ihre Magnetstiefel aktivieren. Die Masse des Mondes war so gering, dass er kaum über eine spürbare Anziehungskraft verfügte. Ohne die Magnetstiefel würden sie in der Station schweben. "Wenn ich mir das hier anschaue, könnte die Technologie hier aus dem 21. Jahrhundert stammen", bemerkte Iris. "Es gibt hier sicherlich ein Lebenserhaltungssystem. Das sollten wir als Erstes suchen. Vielleicht ist das System noch intakt und wir können die Station mit Luft füllen", sagte Alita. "Die Energie-Werte kommen aus dem nächsten Modul. Sicherlich ist das Modul für die Energieversorgung der Station verantwortlich." "Das kann gut sein, Iris. Also gehen wir erstmal zum nächsten Modul", sagte Alita. Nach kurzer Zeit erreichten sie das nächste Modul über die Verbindungsröhre. Iris inspizierte die Anlage genau. "Das kleine Kraftwerk scheint auf chemischer Basis zu arbeiten. Hier sind auch die Kontrollen für das Lebenserhaltungssystem. Soll ich das Kraftwerk hochfahren und das Lebenserhaltungssystem aktivieren?", fragte Iris Alita. "Ja, mach das", antwortete Alita.
Iris brauchte einen Moment, um sich mit der Bedienung der Anlage vertraut zu machen. Danach betätigte sie einige Knöpfe und das Kraftwerk begann zu summen. "So, die Station hat wieder Energie." Nun kümmerte sich Iris um das Lebenserhaltungssystem. Nachdem sie einige weitere Knöpfe gedrückt hatte, füllte sich die Station mit Sauerstoff. Nach einigen Minuten sagte Alita: "Jetzt können wir die Helme zurückklappen. Es gibt atembare Luft und der Druck ist stabil." Sie klappen ihre Helme zurück. Die Luft war zwar stickig, aber man konnte gut atmen. "Sina, Nora und Elva, geht in diese Richtung und untersucht die Module genau. Hier wird es sicherlich eine Kommandozentrale geben. Dort erfahren wir wahrscheinlich am ehesten etwas über den Zweck dieser Station. Iris und ich gehen in diese Richtung. Wir bleiben in ständigem Funkkontakt", erklärte Alita. Sie begannen damit, die einzelnen Module zu untersuchen.
Es waren gerade mal 20 Minuten vergangen, als plötzlich eine heftige Explosion erfolgte. Die Station wurde erschüttert. Einige der Module wurden aus ihrer Verankerung gerissen, und einige der großen Eisenträger knickten ein. Bei der Erschütterung stürzten Iris und Alita zu Boden. In ihren Modulen kam es zu einem Druckverlust, und ihre Helme schlossen sich automatisch. "Was ist geschehen?", fragte Alita über den Helmfunk. "Ich denke, die Energiestation ist explodiert", antwortete Iris. Alita gab über den Helmfunk Anweisungen: "Alle zurück zum Shuttle." "Wir können nicht zurückkommen. Auf Noras Bein ist eine Eisenplatte gefallen. Sie kann ihr Bein nicht herausziehen. Sie hat starke Schmerzen, und ich vermute, ihr Bein ist gebrochen, wenn nicht noch Schlimmeres passiert ist", meldete Sina. "Wo seid ihr?", wollte Alita wissen. "Ein Modul weiter, wir sind am Modul, an dem das Shuttle angedockt ist, das wir gesehen hatten", antwortete Sina.
Nachdem die beiden ihr Shuttle erreicht hatten, sahen sie das Ausmaß der Zerstörung. Der Weg zum Modul von Sina, Nora und Elva war durch eingeknickte und herabgestürzte Eisenträger versperrt. Sie konnten das Modul nicht erreichen. Alita kontaktierte Sina über Funk und sagte: "Wir können nicht zu eurem Modul gelangen. Wir müssen zur Hydra zurückkehren, um Bergungsgeräte zu holen. Wir werden in etwa einer Stunde zurück sein. Ihr müsst so lange durchhalten." "Verstanden, wir schaffen das. Nehmt Annabella mit, damit sie sich um Noras Bein kümmern kann." "Werden wir machen."
Zur gleichen Zeit auf der Hydra
"Jane, auf dem Mond hat es eine heftige Explosion gegeben", meldete Josie. Jane nahm Funkkontakt mit dem Außenteam auf und fragte: "Alita, wie ist euer Status?" Alita berichtete Jane von dem Vorfall und dass sie zur Hydra zurückkehren würde, um Bergungsgeräte zu holen und die drei Teammitglieder zu bergen. "Einen Moment, Alita", antwortete Jane. "Ich erhalte gerade Daten von Josie und Bob. Ich melde mich gleich wieder." Während Josie und Bob die Daten vorbrachten, verfinsterte sich Janes Gesicht zusehends. Sie stand vor einer äußerst schweren Entscheidung.
Sie nahm erneut Verbindung mit einem offenen Kanal zum Außenteam auf, sodass jeder im Team sie hören konnte. "Unsere Daten zeigen, dass durch die Explosion die Umlaufbahn des Mondes sich leicht verändert hat. Der Mond nähert sich immer mehr dem Planeten. In 42 Minuten wird der Mond in die oberen Schichten der Atmosphäre des Planeten eindringen. Nach Josies Analyse besteht der Mond zu 98 % aus einem kalkähnlichen Gestein. Der Mond wird wortwörtlich in der Atmosphäre zerbröseln und verglühen. Die Zeit ist zu knapp, um noch Bergungsgeräte zu holen. Alita, Iris, ich gebe euch genau 15 Minuten Zeit, um Elva zu bergen. Sie hat möglicherweise die Möglichkeit, durch die Trümmerteile zu fliegen und euer Shuttle zu erreichen. Wie gesagt, ihr habt genau 15 Minuten Zeit, und dann verschwindet ihr beide vom Mond, mit oder ohne Elva. Das ist ein Befehl, Alita!"
Alle im Team hörten Janes Befehl. Ihnen wurde klar, was dieser Befehl bedeutete. Jane war bereit, Sina und Nora aufzugeben. Die beiden würden auf dem Mond sterben.
Alita wollte protestieren, aber sie sagte nichts. Ihr wurde klar, dass es die einzig richtige Entscheidung von Jane war. Als Kommandantin konnte Jane keine weiteren Besatzungsmitglieder in Gefahr bringen. Alita wunderte sich jedoch darüber, dass Jane ihnen noch 15 Minuten Zeit gegeben hatte, um Elva zu retten. Schließlich schwebten sie selbst in größter Gefahr, und es war nicht ausgeschlossen, dass es zu weiteren Explosionen kommen könnte.
Plötzlich meldete sich Elva über Funk: "Alita, Iris, verschwindet vom Mond. Ich werde Nora und Sina nicht im Stich lassen, ich bleibe hier." Jane antwortete in einem scharfen Ton: "Das ist ein Befehl, dass du versuchst, dich zu retten." Elva erwiderte trotzig: "Ist mir egal, Befehl hin oder her, ich werde hier bleiben." Eigentlich würde Jane jetzt vor Wut explodieren, weil Elva nicht gehorchte, aber sie blieb ruhig. Die Sorge um Nora und Sina überwog alles. Sina wandte sich an Alita und sagte: "Ihr habt gehört, was Elva gesagt hat. Verschwindet vom Mond. Ihr müsst euch nicht weiter in Gefahr begeben. Nora, Elva und ich wissen, dass ein Außenkommando mit Gefahren verbunden ist. Also verschwindet." Alita hörte die Angst in Sinas Stimme, die Angst vor dem sicheren Tod. Alita und Iris verließen den Mond und nahmen Kurs auf die Hydra.
Zur gleichen Zeit auf der Hydra.
Skara rief Jane fast schreiend an: "Wie kannst du es zulassen, dass wir nichts tun, um die drei zu retten? Es ist allein deine Schuld, wenn die drei sterben!" "Es ist meine Entscheidung, und ich muss mit dieser Entscheidung leben", erwiderte Jane. Skara war noch zu jung, um die Tragweite dieser Situation zu überblicken. Lunaria schlug vor: "Soll ich versuchen, die drei zu retten? Du weißt, dass ich besondere Fähigkeiten habe. Ich brauche 20 Minuten für den Hinflug, dann habe ich 15 Minuten Zeit, um zu versuchen, sie zu retten, und danach noch 5 Minuten, um vom Mond zu verschwinden." Jane wusste, dass Lunaria immer bereit war, ihren Arsch zu riskieren, um jemanden zu retten. "Du bleibst hier auf der Hydra", sagte Jane zu Lunaria. Jane bemerkte, dass Lunaria nicht wirklich einverstanden war, aber Lunaria sagte nichts weiter. 20 Minuten später wurde das Shuttle eingeschleust. Alita und Iris begaben sich in die Kommandozentrale. Alle starrten auf den Panoramabildschirm.18 Minuten später berührte der Mond die obersten Schichten der Planetenatmosphäre. Die ersten Teile des Mondes bröckelten ab und verglühten in der Atmosphäre. Kurze Zeit später sagte Lunaria: "Schaut mal da!" Lunaria hatte bessere Augen als ein Adler und erkannte es als erste.
40 Minuten vorher, in den Modul, bei Sina, Nora und Elva.
"Du hättest versuchen sollen, das Shuttle von Alita zu erreichen, Elva. Es wäre nicht nötig gewesen, dass du mit uns hier auf den Tod wartest", sagte Sina. "Sehe ich etwa so aus, als ob ich in naher Zukunft sterben möchte, Sina? Vielleicht habe ich eine Idee, wie wir uns retten können. Aber ich muss erst etwas überprüfen. Deshalb bin ich hier geblieben, und schließlich muss jemand auf euch aufpassen", erwiderte Elva. Elva verschwand in das nächste Modul. Kurze Zeit später kam sie wieder zurück. "Und was hast du nun überprüft, Elva?", fragte Sina. "Ich habe das nächste Modul überprüft. Das Shuttle, das wir beim Einflug in diese Höhle gesehen haben, ist angedockt", antwortete Elva. Sina begann laut zu lachen und sagte: "Du willst damit sagen, dass wir mit dem Shuttle hier verschwinden sollen? Das Shuttle ist mehrere Hundert Jahre alt, es ist ganz sicher nicht mehr flugtauglich. Solche Fluggeräte müssen regelmäßig gewartet werden. Die Idee wäre vielleicht gut, wenn das Shuttle ein paar Monate alt wäre, aber nicht Jahrhunderte." "Willst du etwa hier auf den Tod warten? Ein Versuch wäre es doch wert", entgegnete Elva. "Versucht euer Glück", sagte Nora mit schmerzerfüllter Stimme. "Glaubst du etwa, dass wir dich im Stich lassen? Kommt überhaupt nicht infrage. Sina, da drüben steht eine Stange. Vielleicht kannst du mit der Stange die Eisenplatte ein Stückchen hoch hebeln, damit Nora ihr Bein herausziehen kann", schlug Elva vor. Sina holte die Stange und versuchte ihr Glück. Tatsächlich konnte sie mit der Stange die Eisenplatte ein Stückchen anheben. Nora gelang es schließlich, ihr Bein herauszuziehen, und sie schrie vor Schmerzen. Sina betrachtete das Bein. Sie war zwar keine Ärztin, aber sie konnte erkennen, dass das Bein mindestens zweimal gebrochen war. Sina holte aus ihrem Raumanzug das kleine Medipäckchen und verabreichte Nora eine Injektion. Das sollte die Schmerzen spürbar lindern. "Nora, tut mir leid, aber wir haben nur Zeit, dein Bein provisorisch zu schienen. Es muss so gehen, uns rennt die Zeit davon", sagte Sina. "Ist schon okay, wenn du mir hoch hilfst und mich stützt, sollten wir irgendwie zurechtkommen", antwortete Nora. Vorsichtig bewegten sich die beiden zum Shuttle. Nachdem sie das Shuttle erreicht hatten, schnallte Sina Nora auf den Copiloten-Sitz fest. Das Shuttle sah von innen etwas heruntergekommen aus. Die Jahrhunderte waren nicht spurlos an ihm vorbeigegangen. Sina schaute aus dem Cockpit-Fenster und erschrak. "Ich glaube, wir können diese Sache vergessen. Schaut mal dort drüben, der Ausgang der Höhle ist durch Trümmerteile der Station versperrt", sagte sie. "Hat jemand gesagt, dass du jammern sollst, Sina? Zuerst eine andere Frage: Kannst du dieses Shuttle fliegen?" wollte Elva wissen. Sina betrachtete die Armaturen und antwortete: "Ich denke schon, die Bedienelemente sind recht einfach in diesem Shuttle."
Der Mond begann leicht zu beben, als er in die obersten Schichten der Atmosphäre eintrat. "Dann versuche mal, das Triebwerk zu starten und halte es im Leerlauf", forderte Elva. "Und wozu soll das gut sein? Der Weg nach draußen ist uns versperrt", sagte Sina. "Habe ich gesagt, dass du mit mir diskutieren sollst?" "Nein, aber vielleicht fliegt uns das ganze Shuttle um die Ohren, wenn ich versuche, das Triebwerk zu starten." "Du hast gehört, was Jane gesagt hat." "Was meinst du jetzt?" "Sie sagte, wenn der Mond in die obersten Schichten der Atmosphäre eindringt, wird er anfangen zu zerbröseln. Und an den Beben merken wir, dass es bereits geschieht. Vielleicht haben wir ja Glück, und die Wand vor uns zerbröselt, dann können wir die Höhle verlassen", erklärte Elva. Sina fühlte sich nicht ganz wohl dabei, das Triebwerk zu starten, aber sie tat es. Das Triebwerk begann zu summen und lief im Leerlauf. Nun warteten die drei darauf, dass der unwahrscheinliche Zufall eintrat und die Wand vor ihnen anfing zu zerbröseln. Tatsächlich bildete sich nach einigen Minuten ein Loch in der Wand, das immer größer wurde. Sina drückte einen Knopf, der die Verankerung am Modul löste. Danach schob sie den Schubhebel ganz nach vorne. Das Triebwerk brüllte auf. Das Shuttle beschleunigte und verließ den Mond. "Ich kann nur in Richtung der Trümmerstücke fliegen, und diese Richtung führt zum Planeten. Irgendwie müssen wir das Shuttle auf der Planetenoberfläche landen. Bei einem Kurswechsel in Richtung Weltraum besteht die große Gefahr, dass wir von einem Trümmerstück getroffen werden. Dieses Risiko will ich nicht eingehen", erklärte Sina. Aus dem Cockpit-Fenster sahen sie rechts und links eine Menge Trümmerstücke in Richtung Planetenoberfläche fliegen. Es war unmöglich, unbeschadet durch einen Kurswechsel hindurchzukommen.
Zur gleichen Zeit auf der Hydra
"Was meinst du, Lunaria?", wollte Jane wissen. "Seht ihr das denn nicht? Da ist das Shuttle vom Mond und die Triebwerke laufen. Es wurde nicht nur zufällig herausgeschleudert. Irgendjemand steuert das Shuttle, und da kommt nur Sina infrage", antwortete Lunaria. "Josie, sofort eine Ausschnittvergrößerung auf dem Panoramaschirm", befahl Jane. Nun konnten sie alle sehen, wie das Shuttle mit den Trümmerstücken in Richtung Planeten flog. "Das kann nicht gutgehen. Es ist mehr als nur ein Himmelfahrtskommando, was Sina da vorhat. Ich bin erstaunt, dass das Shuttle noch nicht explodiert ist, wenn man bedenkt, wie alt es schon ist", meinte Bob. In ihrem Innersten stimmte Jane Bob zu. Auch sie konnte nicht glauben, dass es gut ausgehen würde. Aber Jane reagierte sofort: "Alita, Lunaria und Annabella, sofort mit euch in ein Shuttle. Ihr werdet das Shuttle im Landeanflug mit ausreichend Sicherheitsabstand begleiten. Sie werden sicherlich sofort ärztliche Hilfe brauchen. Ich möchte, dass ihr sofort nach der Landung zur Stelle seid", befahl Jane. Die drei eilten zum Hangar. Alita startete den Alarmstart und verzichtete auf den Systemcheck. Kurze Zeit später befand sich Alitas Shuttle im Parallelkurs zu Sinas Shuttle, mit ausreichendem Sicherheitsabstand.
Im Shuttle.
"Ich muss eine kleine Kurskorrektur um 2 Grad vornehmen. Wir müssen einen Eintauchwinkel von 44 bis 46 Grad erreichen, sonst werden wir in der Atmosphäre verglühen. Die Reibungshitze wäre zu hoch", erklärte Sina. "Warum schaltest du nicht den Schutzschirm ein?", fragte Elva. Sina lachte auf und antwortete: "Schutzschirm? Dieses Shuttle verfügt über keinen Schutzschirm. Es hat eine Technologie aus dem 21. Jahrhundert. Damals wurden die Shuttles durch einen Hitzeschild geschützt, der aus Kacheln bestand. Ich hoffe, dass dieses Shuttle etwas Ähnliches hat." "Wovon sprechen wir in Bezug auf Hitze?", wollte Elva wissen. "Ich denke, die Spitzenwerte werden bei etwa 5000 Grad liegen. Je tiefer wir in die Atmosphäre eindringen, desto höher steigt die Temperatur. Die Innentemperatur darf 80 Grad nicht überschreiten. Unsere Raumanzüge schützen uns zwar bis zu 350 Grad, aber die Elektronik wird es nicht überleben. Dann ist es vorbei mit uns", erklärte Sina. Sina nahm die kleine
Kurskorrektur vor und es gelang ihr auch. "Wir haben immer noch eine Geschwindigkeit von 18500 km/h, aber sie wird gleich rapide abnehmen, je dichter wir der Atmosphäre kommen", sagte Sina. Durch die Cockpitfenster sahen sie die ersten Flammen an der Bugspitze des Shuttles, die durch die Reibung entstanden. "Das kann ja heiter werden", meinte Nora. Die Flammen wurden immer intensiver, und das Shuttle begann stärker zu vibrieren. "Jetzt heißt es, die Arschbacken zusammenkneifen. Ich kann jetzt absolut nichts mehr tun. Der Zustand wird etwa 10 Minuten andauern, bis die Geschwindigkeit genug abgebremst ist, ungefähr auf 4000 km/h. Entweder schaffen wir es oder nicht", sagte Sina. "Und was ist, wenn wir es nicht schaffen?", wollte Elva wissen. "Dann gibt es gegrilltes Bienchen." Die drei befanden sich nun in einer Situation, in der sie absolut hilflos waren. Die Innentemperatur war auf 75 Grad gestiegen. Die Minuten kamen den Dreien wie eine Ewigkeit vor. Plötzlich leuchtete eine rote Kontrollleuchte am Steuerpult auf. "Was bedeutet das, Sina?", wollte Nora wissen. "Das Fahrwerk hat sich gerade verabschiedet. Wir werden ohne Fahrwerk landen müssen." Die zehn Minuten waren fast um, und die Flammen am Cockpitfenster wurden merklich schwächer, kurz darauf waren sie ganz verschwunden. "Wir haben jetzt eine Höhe von 18000 Metern und eine Geschwindigkeit von 3800 km/h. Ich werde die Nase hochziehen, um die Geschwindigkeit weiter zu verringern." Ein paar Minuten später sagte Sina: "Jetzt sind wir auf 1000 Metern Höhe und die Geschwindigkeit beträgt 350 km/h. Weiter kann ich die Geschwindigkeit nicht reduzieren, sonst würde das Shuttle mit seinem kleinen Flügel durchsacken und wir würden abstürzen." "Du willst mit 350 km/h aufsetzen und das ohne Fahrwerk?", fragte Nora erschrocken. "Uns bleibt nichts anderes übrig. Es wird eine harte Landung werden." Sina begann mit dem Landeanflug. "Nur noch schnell zum Protokoll. Es wäre schade, wenn wir die letzten paar Meter noch verrecken würden", meinte Elva. Das Shuttle setzte hart auf und schlitterte über den Boden. Es prallte gegen einen Felsen und wurde in zwei Hälften gerissen. Kurz darauf kamen die beiden Teile zum Stillstand.
Alita, Lunaria und Annabella beobachteten die Landung von ihrem Shuttle aus. Alita versuchte, Funkkontakt zu den anderen herzustellen, erhielt jedoch keine Antwort. "Wir müssen vom Schlimmsten ausgehen", sagte Alita. Kurz darauf landete ihr Shuttle neben dem Wrack. Sie beeilten sich, in das Wrack zu gelangen. Sie fanden sofort Sina und Nora, die regungslos in ihren Sitzen angeschnallt waren. Annabella scannte die beiden sofort und stellte fest, dass sie am Leben waren, aber bewusstlos. "Wo ist Elva? Ich kann sie nicht finden." Sie durchsuchten das Cockpit und Lunaria fand sie schließlich schnell. "Sie muss beim Aufprall durch das Cockpit geschleudert worden sein. Sie bewegt sich nicht mehr", sagte Lunaria. Annabella scannte Elva schnell. "Auch sie lebt." Jane meldete sich über Funk zu Wort: "Wie ist der Status, Annabella?" "Die drei leben. Du bekommst deinen Bericht zur gegebenen Zeit", antwortete Annabella knapp. Jane wusste genau, dass sie Annabella jetzt nicht mit weiteren Fragen belästigen sollte. Annabella konnte zickig werden, selbst wenn Jane die Kommandantin war. Für sie hatten die drei Patienten oberste Priorität. Eine halbe Stunde später befanden sich die Patienten auf der Krankenstation.
Zwei Stunden später nahm Annabella über die Kommunikationsverbindung Kontakt zu Jane auf, die sich in der Kommandozentrale befand. "Hier ist dein Bericht, Jane. Sina hat eine leichte Gehirnerschütterung und starke Prellungen. Nora hat ebenfalls eine Gehirnerschütterung und einen doppelten Beinbruch erlitten. Elva hat sich den Flügel verstaucht und hat auch Prellungen. Alle drei sind bei Bewusstsein. Ich werde sie für zwei Tage auf der Krankenstation behalten. In dieser Zeit sind sie dienstuntauglich. Wenn ihr möchtet, könnt ihr die drei besuchen." Kurze Zeit später versammelten sich alle in der Krankenstation. Alle waren erleichtert, dass die drei am Leben waren. "Sina, Nora, euren Bericht erhalte ich in zwei Tagen. Und nun zu dir, Elva. Ich sage nur das Wort 'Befehlsverweigerung'. Was hast du dir dabei gedacht?", sagte Jane streng. "Jane, sei nicht so hart zu Elva. Immerhin haben wir ihr unsere Rettung zu verdanken. Sie hatte die Idee, es mit dem Shuttle zu versuchen. Ohne sie wären wir nicht mehr am Leben", sagte Sina. "Du hast irgendwie immer das Talent, dich aus der Klemme zu ziehen, Elva", sagte Jane und lächelte. Die Mädels lachten.
Fortsetzung folgt