Der Daten Diebstahl
Der Montag war angebrochen. Mia hatte, wie besprochen, die App von Leo auf ihren Laptop geladen bekommen und auch das kleine Kartenlesegerät erhalten. Während sie gerade mit ihrem Fahrrad auf dem Heimweg vom Internat nach Hause war, kreisten ihre Gedanken um die Frage, wie sie an die Karte von ihrem Onkel her ran kommen sollte.
Als Mia die Küche betrat, sagte Ida: "Da bist du ja, Mia! In 10 Minuten gibt es Essen, es gibt Schnitzel." Mia antwortete: "Bring schnell meine Schulsachen nach oben, ich komme gleich wieder runter." Nachdem Mia am Küchentisch saß, fragte Ida: "Hast du großen Hunger?" Mia antwortete: "Nein, irgendwie nicht." Ida verwundert: "Wie kommt das? Schnitzel gehört doch zu deinem Lieblingsessen." Mia zuckte mit den Schultern: "Ich weiß auch nicht." Nachdem Mia gegessen hatte, sagte sie: "Ich werde nach oben gehen und mich an meine Hausaufgaben machen." Ida erwiderte: "Mache das, wir essen Abendbrot, wenn dein Onkel da ist."
Mia konnte sich nicht richtig auf ihre Hausaufgaben konzentrieren. Ihre Gedanken waren immer damit beschäftigt, wie sie an die Karte ihres Onkels kommen sollte. Aber jetzt hatte sie die Hausaufgaben fertig. Kurz darauf hörte sie, wie Ida von unten heraufrief: "Mia, kommst du runter? Dein Onkel ist da. Wir wollen Abendbrot essen."
Als alle drei am Tisch saßen und aßen, fiel Mias Blick immer wieder auf Onkel Karls Karte, die er lässig um seinen Hals trug. Nachdem sie mit dem Essen fertig waren, sagte Onkel Karl: "Ich hatte heute einen harten Tag. Ich werde mich für heute verabschieden, schnell noch duschen und danach ins Bett gehen. Ich bin total müde." Ihr Onkel stand auf und ging nach oben.
"Mia, räumst du noch schnell mit mir den Tisch ab?" wollte Ida wissen. "Äh, nein. Mir ist etwas zu meinen Hausaufgaben eingefallen, was ich noch schnell erledigen möchte. Aber dafür räume ich morgen Abend den Abendbrottisch alleine auf, versprochen." "Na, dann ab mit dir." Mia roch ihre Chance, an die Karte zu kommen. Sie verschwand in ihrem Zimmer, ließ die Tür jedoch einen Spalt offen.
Sie hörte, wie ihr Onkel sein Schlafzimmer verließ und Richtung Bad ging. Kurz darauf hörte sie die Dusche. "Jetzt aber schnell", dachte sie. Mia nahm ihren Laptop unter den Arm und schlich sich in ihr Onkels Schlafzimmer. Sie hatte die Hoffnung, dass ihr Onkel seine Karte im Schlafzimmer abgelegt hatte. Sie schaute sich um. Weder auf dem Bett noch auf dem Nachttisch oder der Kommode lag die Karte. Sie sagte leise: "Verfluchte Scheiße." Enttäuscht ging sie wieder zurück in ihr Zimmer. Sie dachte: "Und jetzt? Es muss ein Plan her, und zwar ein guter Plan." Sie war am Überlegen.
Plötzlich leuchteten ihre Augen auf. Sie hatte einen guten Plan. Bei ihrem Plan gab es sogar einen Plan B, falls Plan A schiefgehen sollte. Mia wartete noch zwei Stunden. Die Uhr zeigte 21:30. Mia nahm eines ihrer Ohrringe aus dem Ohr und warf es auf den Fußboden. Sie wusste genau, dass ihr Vertrauensverhältnis zu ihrem Onkel schwer erschüttert werden würde, sollte er sie erwischen. Wohl war ihr bei der ganzen Sache nicht.
Mia schlich über den Flur zu ihrem Onkel Schlafzimmer. Sie öffnete die Tür leise und schaute hinein. Es fiel noch etwas Tageslicht durch die Jalousien ins Zimmer. Schließlich war Hochsommer, und es war noch nicht stockdunkel. Sie hörte ihren Onkel gleichmäßig atmen – er schlief. Mia ließ sich auf alle Viere herunter und kroch wie ein zweijähriges Kind leise zu ihrem Onkel ans Bett. Die Karte lag vor ihr um den Hals ihres Onkels. Mia hatte schweißnasse Hände. Ihr kam es so vor, als würde der Lüfter ihres Laptops jetzt besonders laut laufen, was sie sich nur einbildete. Mia griff ganz vorsichtig nach der Karte und steckte sie in das Lesegerät. Der Upload begann. Mia kam es wie eine kleine Ewigkeit vor, bis der Balken auf ihrem Desktop von links nach rechts gewandert war, dabei waren es nur 30 Sekunden. Nach dem Upload zog sie die Karte vorsichtig wieder heraus. Sie öffnete noch schnell einen Tab auf ihrem Laptop, der eine Formel ihrer Hausaufgaben zeigte. Sie wollte sich gerade leise auf den Rückweg machen, als ihr Onkel plötzlich seine Augen öffnete.
"Mia, Mia, bist du das?" Ihr Onkel machte die Nachttischlampe an. "Und was machst du hier in meinem Schlafzimmer auf dem Fußboden?" "Eigentlich wollte ich nur sehen, ob du schläfst. Ich habe eine schwierige Hausaufgabe, bei der ich eine Formel aufgliedern soll. Ich bin mir nicht sicher, ob ich sie richtig habe. Wenn du nicht schlafen würdest, würde ich dich bitten, sie dir mal anzuschauen. Plötzlich habe ich gemerkt, dass ich einen Ohrring verloren hatte, und ich dachte, ich hätte ihn hier verloren. Deswegen habe ich mich auf den Fußboden niedergelassen, um danach zu suchen, aber es scheint, dass er nicht hier ist. Wahrscheinlich habe ich ihn woanders verloren." "Jetzt bin ich schon mal wach. Zeig mir mal die Formel." Ihr Onkel schaute sich die Formel auf dem Laptop an. "Also, meiner Meinung nach hast du die Aufgliederung perfekt gemacht. Ich finde keine Fehler", sagte ihr Onkel lächelnd. "Danke, dass du dir das noch schnell angeschaut hast. Jetzt will ich dich auch nicht weiter stören. Gute Nacht." Mia verließ das Schlafzimmer und war froh, wieder in ihrem Zimmer zu sein. Die Anspannung fiel von ihr ab, sie fing an zu zittern und war schweißnass. "Das ist gerade nochmal gut gegangen", dachte sie.
Am nächsten Morgen übergab Mia die Daten Leo. Er sagte: "Ich werde wohl einige Tage brauchen, um Ergebnisse zu liefern."
Fortsetzung folgt