Kampf um die Macht
Wir schreiben das Jahr 2265.
Es sind fünf Jahre vergangen seit den Treffen mit den Cynos und der Königin. Vor zwei Jahren wurde die Basis der Cynos in unserer Nähe fertiggestellt.
Das Imperium ist in Frieden. Tara und Nessa genießen die Sterne von ihrer Dachterrasse aus und nippen an ihren Cocktails. Tara schlägt vor: “Lass uns doch mal Urlaub machen, nur wir zwei. Wir haben es uns verdient. Ich weiß von einem Planeten, der niemandem gehört. Er hat blaues Wasser, weiße Strände und eine Sonne, die dich wärmt wie eine Umarmung. Das einzige, was fehlt, sind gebratene Hähnchen, die einem in den Mund fliegen.”. Nessa fragt: “Das klingt traumhaft, aber wie wollen wir das John erklären? Du kennst ihn doch. Er lässt dich nicht aus den Augen.” (General John Pain ist der Chef der Solaren-Abwehr und für die Sicherheit der Großadministratorin zuständig). “Ach, John”, seufzt Tara. “Er wird schon ein Auge zudrücken. Oder auch zwei.”
Wir hatten uns für den nächsten Morgen in John Pains Büro verabredet. “Was kann ich für euch tun?”, fragte John. “Wir brauchen mal eine Auszeit”, sagte Nessa. “Wie lange habt ihr euch das vorgestellt?”, fragte John. “Vier Wochen, nur wir zwei, ganz ungestört”, antwortete Nessa. “Das kommt überhaupt nicht infrage. Ihr wisst genau, was meine Verantwortung ist, aber das scheint ihr gerne zu vergessen”, sagte John, der nachdenklich wurde. “Ihr bekommt zwei Begleiter an die Seite gestellt, zu eurer eigenen Sicherheit. Ich habe schon die passenden Leute im Kopf, und für den Flug benutzt du deine Raumjacht, Nessa. Die Sol-Abwehr hat sie noch etwas aufgerüstet. Albert Neuhaus war auch daran beteiligt.” “Wer sind denn unsere Babysitter, John?” fragte Nessa. “Elli und Krümel”, antwortete John. “Wir wollten uns vier Wochen erholen und nicht als Nervenbündel wiederkommen. Du kennst doch die beiden. Die zoffen sich ständig”, sagte Nessa. “Die beiden oder gar kein Urlaub”, sagte John. “Du machst es uns nicht leicht, John, aber gut, wir nehmen sie mit”, sagte Nessa, als sie aus Johns Büro gingen. “John will uns nur Elli und Krümel loswerden, damit er sie nicht vier Wochen ertragen muss”, fügte Nessa hinzu.
Wir standen am nächsten Morgen zu dritt vor Nessas Raumjacht. Die Jacht war eine kugelförmige Konstruktion mit 50 Metern Durchmesser und innen so luxuriös wie die anderen Jachten der Superreichen. Doch das Besondere an dieser Jacht war ihr leistungsstarkes Triebwerk, das extreme Beschleunigungen und hohe Manövrierbarkeit erlaubte. Die Bewaffnung war eher spärlich, aber die Solare Abwehr hatte einige Waffen hinter Verkleidungen auf der Jacht versteckt. Es fehlte an nichts. Die Jacht brauchte keinen Piloten, denn eine Bord-Positronik übernahm diese Aufgabe. Sie bot Platz für acht Personen, und die Gäste mussten nichts weiter tun, als sich zu entspannen und die Reise zu genießen. Wir sahen, wie Krümel mit vier Koffern angeschleppt kam. Nessa fragte: “Was hast du denn alles dabei? Wir sind nur vier Wochen unterwegs und nicht ein Jahrhundert.” “Drei Koffer sind voll mit Keksen. Ich will ja nicht verhungern”, antwortete Krümel. “Du bist halt ein Fresssack”, spottete Elli. “Ich ein Fresssack? Was bist du denn? Eine Blechbüchse?” konterte Krümel. “Jetzt reicht es aber mit euch beiden. Die Reise hat noch nicht mal angefangen, und ihr zankt euch schon”, sagte Nessa streng. Als wir in der Raumjacht waren, gab Tara die Koordinaten des Planeten an die Positronik weiter. Der Planet war 18.345 Lichtjahre entfernt. Wir würden die Strecke in einem Tag schaffen, aber wir planten, sie in vier Etappen zu bewältigen. Die Raumjacht hob ab und verschwand im Weltraum.
Die ersten beiden Etappen verliefen ereignislos. Als Tara nach der dritten Etappe die Positronik anweisen wollte, den Flug fortzusetzen, meldete Krümel plötzlich: “Ich empfange Gedanken-Impulse.” “Ja, von uns, du Depp”, sagte Elli. Krümel warf Elli einen bösen Blick zu und sagte: “Die Gedanken kommen von dem Asteroiden, der in unserer Nähe ist. Es sind Tausende von Gedanken. Es ist, als ob sie träumen und die Gedanken haben das gleiche Muster wie deine, Tara.” “Das müssen wir uns näher ansehen”, sagte Tara zu Nessa.
Die Raumjacht näherte sich dem Asteroiden und umkreiste ihn. Der Asteroid hatte einen Durchmesser von 70 km. “Da können wir den Urlaub wohl vergessen”, maulte Elli. “Wir müssen uns das näher anschauen”, sagte Nessa. Es dauerte nicht lange, bis wir auf einem Plateau, das etwas in die Tiefe des Asteroiden ragte, fünf Raumschiffe entdeckten. Tara traute ihren Augen nicht, als sie auf dem Ortungsschirm sah, dass es fünf Großraumschiffe ihres Volkes waren, der 750-Meter-Klasse. “Wir müssen mit ihnen Kontakt aufnehmen”, sagte Tara. “Nein, wir brauchen mehr Informationen. Wir lassen die Ortung weiterlaufen. Du weißt, dass meine Jacht über sehr empfindliche Ortungsgeräte verfügt.”
Es stellte sich heraus, dass die Raumschiffe schon Jahrtausende dort standen und nur noch sehr wenig Energie erzeugten. Die Reaktoren waren sicherlich kurz vor dem Ausfall. “Und von den Schiffen kamen die tausenden Gedankenimpulse, Krümel?”, fragte Tara noch einmal nach. “Ja.” “Seltsam, wir werden in eines der Schiffe rüber teleportieren, Krümel.” Nachdem Tara und Krümel ihre Kampfanzüge angelegt hatten, sagte Elli: “Ich muss jedes Mal lachen, wenn ich unseren Keks fressenden Teddy in einem Kampfanzug sehe.” Krümel ignorierte sie. Nessa sagte: “Passt auf euch auf.” Krümel nahm Taras Hand und sie teleportierten in eines der Raumschiffe. Sie kamen in der Kommandozentrale an. In der Zentrale brannte nur eine Notbeleuchtung. Es war gespenstisch und es herrschte eine Totenstille in der Zentrale, nur ein paar Kontrollleuchten blinkten. Doch wo kamen die tausenden von Gedankenimpulsen her? In der Zentrale war niemand. Tara trat an einen Monitor, mit dem sie die einzelnen Räume des Schiffs per Video überprüfen konnte. Sie schaltete die Räume durch, aber es war keine Seele zu sehen, bis sie auf einen großen Raum stieß.
Sie traute ihren Augen nicht, als sie sah, was sich dort befand. Es sah aus, als ob Hunderte von Särgen nebeneinander aufgestellt waren, mit einem Glasdeckel. “Krümel, hol Nessa und Elli”, sagte Tara. Nach 5 Minuten kam Krümel mit den beiden zurück. Tara zeigte ihnen, was sie auf dem Monitor gefunden hatte. “Dann lasst uns mal eine solche Halle besuchen”, schlug Nessa vor. Als sie eine Halle betraten, gingen sie auf einen der Kästen zu. Durch den Glasdeckel erkannte Tara einen Mann aus ihrem Volk. Elli erkannte an den Armaturen am Kasten, dass der Mann noch lebte. Krümel sagte: “Dieser hier lebt. Ich kann seine Gedanken spüren. Er träumt, wie alle anderen hier auch.” “Es scheint, dass es sich um eine ähnliche Anlage handelt, wie ich damals auf dem Mars benutzt habe, um die Jahrhunderte zu überstehen, mit dem Unterschied, dass sie hier im Schlaf nicht altern”, sagte Tara. “Lasst uns zurück in die Zentrale gehen, und du, Elli, versuchst, über die Bordpositronik Informationen zu bekommen”, sagte Tara. Elli machte sich sofort an die Arbeit. Nach einer halben Stunde sagte Elli: "So, jetzt hört mal gut zu. Ich konnte der Positronik einige Informationen entlocken. Die gute Nachricht ist, dass alle Schlafkammern auf den Schiffen funktionieren. Jedes Schiff hat 10 Hallen mit je 1000 Schlafkammern. Das heißt, dass 50.000 Männer und Frauen deines Volkes hier schlafen, und das schon seit etwa 3500 Jahren. Und ich habe herausgefunden, wer hier der Anführer ist - ein gewisser Hades aus dem Hause Kubal. Er liegt auf diesem Schiff in Halle 1 in der Kammer 1 und jetzt die schlechte Nachricht: In etwa 4 Monaten wird den Schiffen der Strom ausgehen, und dann werden alle 50.000 Männer und Frauen sterben." “Das dürfen wir nicht zulassen, Nessa. Schließlich sind es Angehörige meines Volkes”, sagte Tara. “Wir sollten diesen Hades wecken, um mehr Informationen zu bekommen”, schlug Krümel vor. “Wenn sich Erwachsene unterhalten, hast du still zu sein. Kau lieber ein paar Kekse, Krümel”, sagte Elli darauf. Krümel sah Elli wütend an und sagte: “Ich werde dich gleich mit mir in den Weltraum teleportieren und dich dort lassen, dann kannst du den Rest deines Lebens als Weltraumschrott herumtreiben.” “Jetzt ist aber Schluss mit euch beiden”, sagte Nessa scharf. “Aber die Idee ist gut, Krümel.” Krümel streckte Elli die Zunge raus und sagte: “Siehst du, Elli, ich hatte die gute Idee, und du nicht.” Elli wollte gerade etwas erwidern, als Tara sagte: “Jetzt reicht es. Ich werde euch beide auf einen einsamen Planeten aussetzen. Dann haben wir Ruhe vor euch.” Beide sahen an Taras Blick, ein Wort noch, und sie würde platzen. Es war mit Tara nicht mehr zum Spaßen. Beide waren plötzlich mucksmäuschenstill. Sowohl Nessa als auch Tara wussten, dass wenn es darauf ankam, die beiden füreinander durchs Feuer gehen würden.
Sie waren in Halle 1 angekommen und standen vor Schlafkammer 1. Durch den Glasdeckel sahen sie einen gutaussehenden Mann, etwa 40 Jahre alt und muskulös. “Kannst du ihn aufwecken, Elli?”, fragte Tara. “Das ist ein Kinderspiel für mich”, antwortete Elli. “Was für eine Angeberin”, murmelte Krümel. Nessa warf Krümel einen Blick zu und Krümel verstummte sofort. Elli machte sich an den Kontrollen der Schlafkammer zu schaffen. Nach einer Minute öffnete sich der Glasdeckel und kurz darauf öffnete der Mann seine Augen. Er sah sich einen Moment um und richtete sich dann auf. Er fragte: “Sind die hundert Jahre um?” Bevor jemand etwas sagen konnte, sagte Elli: “Hundert Jahre? Du hast hier 3500 Jahre geschlafen.”
Der Mann sah erschrocken aus und sagte: “Es muss etwas schiefgelaufen sein.” Erst jetzt bemerkte er Tara und Elli richtig und starrte sie an, als wären sie Geister. “Was ist los, hast du noch nie eine Frau und einen Roboter gesehen?”, fragte Elli. “Doch, habe ich. Aber ihr beide seht aus wie Tara aus dem Hause Gol und ihr Roboter, die vor 1500 Jahren lebten. Sie war eine große Heldin unseres Volkes. Ihre Geschichten werden immer noch über Jahrtausende hinweg erzählt. Eines Tages war sie verschwunden oder bei einer Raumschlacht gestorben, so heißt es in der Geschichte.” “Siehst du, Krümel, Tara und ich sind Helden”, sagte Elli zu Krümel. “Wenn du nicht solche Blechohren hättest, würdest du hören, dass die Rede nur von Tara ist und nicht von dir.” Krümel grinste und Elli sah böse aus. “Ja, wir sind es, aber die Geschichten sind schon 5000 Jahre alt”, sagte Tara. “Wie ist es möglich, dass du 5000 Jahre überlebt hast?” “Nun, ich habe da so mein Geheimnis. Du bist ja auch schon über 3500 Jahre alt, auch wenn du 3500 Jahre verschlafen hast. Warum bist du mit den fünf Raumschiffen und den 50000 Schlafenden hier?”
Und Hadas begann zu erzählen: “Wegen des Robot-Imperators, falls du von ihm gehört hast. Vor 5000 Jahren zeigte unser Volk die ersten Anzeichen von Dekadenz. Deshalb beschloss der damalige Imperator, ein riesiges Robot-Gehirn bauen zu lassen, was sicherlich Jahrhunderte dauern würde, bis es fertig war. Die Wissenschaftler hatten damals herausgefunden, dass die Dekadenz fortschreiten und wahrscheinlich das ganze Volk erfassen würde. Und bevor unser Volk nicht mehr in der Lage wäre, das Imperium zu führen, sollte das Robot-Gehirn die Macht übernehmen und das Imperium weiter lenken in unserem Sinne.”
Hades fuhr fort: “Und die Machtübernahme war vor 3500 Jahren. 85 % unseres Volkes waren dekadent, das Imperium drohte zu zerfallen. Viele Gruppen, auch aus anderen Völkern, versuchten die Macht an sich zu reißen. Es gab viele Bürgerkriege. Mord und Totschlag waren an der Tagesordnung. Unser Volk stand kurz vor dem Untergang. Deshalb wurde beschlossen, dass ich und die 50000 aus unserem Volk, die nicht von Dekadenz erfasst waren, in Sicherheit gebracht werden sollten. Die Machtübernahme des Robot-Gehirns stand kurz bevor. Und man wusste, dass der Robot-Imperator mit aller Härte durchgreifen würde, um das Imperium zu retten. Der Plan war es, dass wir hier hundert Jahre schlafend warten sollten, ohne zu altern, bis wir zu unseren Planeten zurückkehren könnten. Man war überzeugt, dass nach hundert Jahren der Robot-Imperator das Imperium wieder stabilisiert hätte, dank seiner Roboterflotte, die 80000 Raumschiffe umfasste. Er verfügte über eine Sonderschaltung. Sollte nach seiner Machtübernahme jemand aus unserem Volk und aus einem hohen Haus kommen und dekadenzfrei sein und das Amt des Imperators beanspruchen, müsste er die Macht an den neuen Imperator abgeben. Es war damals beschlossen, dass ich der nächste Imperator werden sollte. Der alte Imperator wurde zwei Wochen vor unserer Abreise ermordet, von wem auch immer. Gibt es den Robot-Imperator noch?”
Nessa dachte über die Geschichte nach und sagte noch nichts. Es war natürlich klar, dass Elli sich nicht zurückhalten konnte und sagte: “Also, wenn ich das richtig verstanden habe, gehst du zum Robot-Imperator, klopfst an seine Tür und sagst: Hey Alter, ich bin der neue Imperator, gib mir mal die Macht?’”. Über den Satz mussten sogar Tara und Nessa lachen. “Könnt ihr mir helfen?” fragte Hadas. “Ich muss mich erst mal mit meiner Begleiterin absprechen. Wir treffen uns in einer Stunde in der Kommandozentrale”, sagte Tara.
Als Tara und Nessa allein waren, fragte Nessa: “Was hältst du von Hadas?” “Ich weiß es noch nicht, aber wir müssen die 50000 retten. Ich habe schon vorhin Krümel auf Hadas angesetzt. Er sollte ein bisschen in seine Gedanken spähen, aber leider ohne Erfolg. Auch bei ihm kann man keine Gedanken lesen, genau wie bei uns. Er hatte den gleichen Eingriff in sein Gehirn wie wir, und ich weiß von damals, dass es nur sehr wenigen erlaubt wird. Es sind immer sehr hoch angesehene Bürger meines Volkes, die ein hohes Amt innehatten. Ich denke, wir sollten versuchen, ihm zu seiner Macht zu verhelfen.” “Hältst du das für eine gute Idee? Wir wissen ja noch gar nicht, wie er tickt.” “Nessa, du weißt selbst, dass der Robot-Imperator eines Tages das Solare-Imperium entdecken wird, und er wird versuchen, das Solare Imperium in sein Imperium einzugliedern. Es wird zu einem Krieg kommen, auf beiden Seiten wird es sehr hohe Verluste geben. Deine Flotte ist waffentechnisch überlegen, aber er hat vier- bis fünfmal so viele Schiffe wie du. Deine Schiffe können nicht gleichzeitig überall sein. Solange es sich nur um Robot-Schiffe handelt, werde ich dich mit meiner Flotte der Königin unterstützen, aber wenn die Schiffe Besatzungen haben, werde ich nicht auf mein Volk schießen lassen. Ich denke, ein Imperator an der Spitze ist besser als der Robot-Imperator. Schlimmer kann es nicht werden, und ich werde dich hier aus der Geschichte raushalten. Auch er muss es nicht wissen, dass du das Oberhaupt eines Imperiums bist.” Nessa sagte: “Du hast ja recht. Also werden wir ihm zu seiner Macht verhelfen. Hast du schon einen Plan?”
In diesem Moment kam Hadas in die Kommandozentrale und fragte: “Werdet ihr mir helfen und könnt ihr mich zu meinem Planeten bringen?” “Hmm, wir haben da so ein kleines Problem mit dem Robot-Imperator”, antwortete Tara. “Was habt ihr angestellt?” fragte Hadas besorgt. “Wir haben ihm vor 95 Jahren einen Flotten-Neubau der 1500-Meter-Klasse direkt vor der Nase weggeschnappt und ich denke, er ist immer noch sehr sauer auf uns. Aber ich habe einen Plan. Nessa, ich werde schnell mit Krümel zu deiner Jacht teleportieren und die Funkanlage benutzen, ich muss da etwas klären.” Tara und Krümel verschwanden auf Nessa’s Jacht. In der Zwischenzeit unterhielten sich Nessa und Hadas über belanglose Dinge. Tara meldete sich schließlich über Funk bei Nessa: “Ich habe alles geregelt. Krümel wird euch zur Jacht holen, dann können wir losfliegen.” Nachdem alle an Bord waren, startete die Jacht in Richtung von Taras und Hadass Heimatplanet und den Sitz des Robot-Imperators.
Zur gleichen Zeit auf der Erde.
General John Pain, Chef der Solaren-Abwehr, wollte gerade sein Büro verlassen, um Feierabend zu machen, als ein junger Leutnant auf ihn zulief und sagte: “Wir haben von dem Überwachungskreuzer Taton eine Meldung mit der Dringlichkeitsstufe 1 erhalten. Sie befinden sich im Raumsektor 12/432.” John dachte bei sich: ( Ist das nicht der Raumsektor in der Nähe des geheimen Stützpunkts der Königin der Cynos, den Tara vor 5 Jahren eingerichtet hat? ) Auf dem Eisplaneten hatte Tara einen Stützpunkt eingerichtet, um schnell eine Eingreifreserve zu haben. Auf dem Stützpunkt waren 5000 übermächtige Würfelschiffe stationiert. John nahm den Zettel entgegen und las: “Alle 5000 Würfelschiffe sind vom Stützpunkt gestartet und in den Hyperraum verschwunden, mit unbekanntem Ziel.” John starrte auf den Zettel und sagte zum Leutnant: “Stellen Sie mir eine Verbindung zur Königin der Cynos her und schalten Sie die Verbindung in mein Büro.” John ging in sein Büro, setzte sich in seinen Sessel und wartete ungeduldig auf das Gespräch. Nach ein paar Minuten ging sein Monitor an und es war eine goldene Roboter-Ameise zu sehen, die Königin der Cynos. Sie sagte: “Was kann ich für dich tun, General John Pain?” “Ich habe erfahren, dass deine gesamte Flotte vom Stützpunkt aus gestartet ist. Zu welchem Ziel?”, fragte John. “Die Flotte ist auf direkten Befehl von Tara, meiner Erhabenen, gestartet. Über das Ziel darf ich keine Auskunft geben. Sie sagte, dass sie eine persönliche Angelegenheit zu regeln habe”, antwortete die Königin der Cynos. Johns Zornader schwoll an und er sagte gefährlich leise: “So so, eine persönliche Angelegenheit, wofür braucht sie 5000 Großkampfschiffe?” Lauter als John beabsichtigt hatte, sagte er noch: “Dreht die Alte jetzt völlig durch?” John unterbrach die Verbindung und nahm sofort Kontakt mit Luk Stone auf, dem Administrator der Erde: “Luk, gib sofort Großalarm für die ganze Flotte aus. Hier ist irgendwas im Busch.” John erzählte Luk von den 5000 Großkampfschiffen.
Auf Nessa`s Raumjacht.
Nessa steuerte ihre Raumjacht in das System des Robot-Imperators. Kaum waren sie eingeflogen, wurden sie von einem Wachkreuzer des Imperators gestoppt und aufgefordert, sich zu melden. Tara schaltete den Funk auf offenen Kanal, sodass alle Funkstationen im System ihr Gespräch mithören konnten. Sie sagte spöttisch: “Wer ist dieser Wurm, der mir den Weg versperrt?” Taso, der Kommandant des Wachkreuzers, war sprachlos. Noch nie hatte jemand so frech mit ihm gesprochen. Er erwiderte nach einer kurzen Pause: “Wir werden dein Raumschiff durchsuchen, nach Waffen und Rauschgift. Ich schicke zwei Mann rüber.” Der Robot-Imperator überwachte alle Funkgespräche im Sonnensystem und bemerkte sofort diesen Funkspruch. Er erkannte Tara und Nessa auf dem Monitor und sagte: “Sind das nicht die beiden Anführer des Raumschiff-Diebstahls vor 95 Jahren? Ich habe euch damals zum Tode verurteilt. Diesmal entkommt ihr mir nicht.” Elli flüsterte leise, damit der Imperator es nicht hörte: “Es kommen noch 10 Wachkreuzer mit hoher Geschwindigkeit auf uns zu. Wir stecken in Schwierigkeiten.”
Tara erwiderte scharf: “Wie kommst du dazu, eine von Gol zum Tode zu verurteilen, du Blechdose? Du hättest dich vor 95 Jahren besser informieren sollen. Dann wüsstest du, mit wem du es zu tun hast: Tara von Gol. Du bist unfähig, ein Imperium zu führen. Ich habe Hades von Kuball bei mir. Er hat das Recht, Imperator zu werden und du musst ihm deine Macht übergeben.” Hades trat ebenfalls vor den Monitor. Der Imperator scannte blitzschnell die Augen der beiden, um Taras Behauptungen zu überprüfen. Er brauchte nur einen Sekundenbruchteil, um festzustellen, dass Tara recht hatte. Hades war der rechtmäßige Thronfolger und er musste ihm seine Macht abtreten, wie es seine Programmierung vorsah. Der Imperator sagte: “Du hast recht mit deinen Angaben. Früher vor 5000 Jahren warst du mächtig und einflussreich. Jetzt hast du nur noch eine armselige Raumjacht, sonst nichts. Bevor Hades die Macht übernimmt, werde ich euch beide hinrichten lassen.” “Du machst schon wieder einen Fehler, Blechdose. Leg dich niemals mit Tara von Gol an.”
Der Planet war von einer roten Zone umgeben, die einen Radius von 15 Millionen Kilometern hatte. Jedes Raumschiff musste vor der roten Zone aus dem Hyperraum austreten. Wenn es innerhalb der Zone erschien, wurde es gnadenlos von den 200 Robotkampfplattformen zerstört, die in der Zone verteilt waren. Jede Plattform war so stark wie eine kleine Flotte. Plötzlich tauchten 5000 Großkampfschiffe der Cynos in der roten Zone auf. Die Robotplattformen griffen ohne Erbarmen an und es kam zu einer gewaltigen Weltraumschlacht. Nach 28 Minuten war alles vorbei, keine Robotplattform war mehr übrig und die Cynos-Raumschiffe hatten keinen Verlust. Sie sperrten den Planeten ab, sodass niemand mehr rein- oder raus konnte. Nessa sagte: “Du hast mir nicht gesagt, dass du hier einen Krieg anzettelst.” “Wie ich dir schon sagte, das ist eine Privatangelegenheit. Ich halte dich und das Solare Imperium raus. Du willst sicher nicht, dass dein Kopf über den Sandboden rollt. Der Robot-Imperator versteht nur eine Sprache, und das ist die Sprache der Macht.”
Zur gleichen Zeit auf der Erde in John Pain Büro.
John Pain, der Chef der Abwehr des Solaren Imperiums, bekam Besuch von einem Leutnant. Er überreichte ihm eine Meldung von einem Agenten aus dem Imperium des Regenten. Pain hatte einige Agenten vor 95 Jahren in das Imperium eingeschleust. Er konnte kaum glauben, was er las: 5000 Großkampfschiffe der Cynos waren in das System des Imperators eingedrungen, hatten alle 200 Abwehrplattformen ausgeschaltet und den Planeten abgeriegelt. Mehr stand nicht in der Nachricht.
John war sprachlos. Er rief Luk Stone an, den Administrator, und las ihm die Nachricht vor. Dann fragte er: “Sind unsere beiden Frauen völlig durchgedreht? Haben sie eine Ahnung, was sie angerichtet haben? Es wird Krieg geben zwischen uns und dem Robot-Imperator. Wenn ich die beiden erwische, werde ich…” Er brach ab und sagte: "Wir geben gelben Alarm für die ganze Flotte und verdoppeln die Wachschiffe im All. Wir müssen auf alles gefasst sein."
In Taras Heimat-System.
Der Robot-Imperator analysierte die Bedrohung durch die 5000 Schiffe, die ihn angriffen, und ihre Feuerkraft. Er erkannte, dass er in einer schwierigen Lage war. Er hatte keine Chance, sich gegen die 5000 Schiffe zu wehren, es sei denn, er würde seine ganze Flotte von 80000 Einheiten hierher befehlen. Aber das würde das Imperium in Chaos stürzen, denn es gab viele andere Krisenherde, die seine Aufmerksamkeit erforderten. Der Imperator kontaktierte Tara und sagte: “Das war ein kluger Zug von dir. Die Hinrichtung ist vorerst aufgeschoben, aber du weißt, wie die alten Regeln lauten. Als Imperator darf ich einen Kandidaten für meine Nachfolge bestimmen.” Tara lächelte und sagte: “Und wer soll das sein, aus deinem Lager, der Hades aus dem Haus Kabull das Wasser abgraben könnte?” “Du, Tara aus dem Haus Gol, dich schlage ich als Imperatorin des Imperiums vor.” Tara antwortete kurz: “Ich brauche eine Stunde zum Nachdenken” und beendete die Verbindung.
Tara wandte sich an Nessa und Hades und sagte: “Verflixt, er ist schlau. Mit diesem Angebot habe ich nicht gerechnet.” Nessa sagte: “Das verstehe ich nicht. Vor einer Stunde wollte er uns noch hinrichten lassen, und jetzt will er dich zur Imperatorin machen? Wir sind doch dafür, dass Hades Imperator wird. Du kannst sein Angebot einfach ablehnen.” “Nessa, das ist nicht so einfach. Wenn ich ablehne, würde ich als Feige gelten. Ich und alle Angehörigen des Hauses Gol, meine Ur-Ur-Ur-Nachkommen - das Haus existiert noch - würden aus dem Imperium vertrieben werden wie Aussätzige. Und mein Name, Tara aus dem Haus Gol, der vielen Leuten noch ein Begriff ist, zum Beispiel aus Sagen, das kann ich nicht zulassen. Ich glaube, der Imperator möchte mich als Imperatorin haben. Damit würde er zwei Ziele erreichen: Er hätte eine Imperatorin vom alten Schlag wie die Imperatoren vor 5000 Jahren, die keine Kompromisse kannten, was ich mit dem Angriff meiner Flotte gezeigt habe. Und er hätte eine Flotte von 5000 mächtigen Kampfschiffen mehr für das Imperium. Bedenke, dass der Robot-Imperator nach einer 5000 Jahre alten Programmierung handelt. Die 3500 Jahre, in denen er regiert hat, hat er nach den Maßstäben der alten Imperatoren von damals geherrscht. Damals herrschte ein rauer Ton im Imperium." “Ich verstehe, aber wie wird denn jetzt entschieden, wer Imperator oder Imperatorin wird?”, fragte Nessa. “Jetzt kommt die größte Herausforderung. In der Hauptstadt gibt es eine Arena, die 250.000 Zuschauer fasst und schon 15.000 Jahre alt ist. Damals, wenn ein Imperator zu alt wurde, um zu regieren, bestimmte er seinen Nachfolger. Meistens war es sein ältester Sohn. Aber auch das Volk konnte einen Imperator wählen. Und wer Imperator wurde, wurde in der Arena durch einen Schwertkampf ermittelt - ein Kampf ohne Gnade. Der Kampf war erst vorbei, wenn einer von den beiden tot war. So sind die Regeln im Imperium.” “Das heißt, du musst gegen Hades kämpfen, bis einer von euch stirbt?”, fragte Nessa entsetzt. “Ja, der Kampf ist unvermeidlich.”
Tara teilte dem Imperator mit, dass sie seine Herausforderung annahm. Wir erhielten die Landeerlaubnis und setzten auf dem Planeten auf. Der Kampf war für genau eine Woche später angesetzt. Hades begab sich in sein Haus. Tara, Nessa, Elli und Krümel wurden in einer Villa untergebracht. Nessa wandte sich an Tara: “Glaubst du, dass Hades gut im Schwertkampf ist? Du kannst es ja auch.” Tara erwiderte: “Er wird bestimmt hervorragend sein. Jeder potenzielle Imperator musste von klein auf den Schwertkampf trainieren. Es konnte immer einen Herausforderer geben. Hades kennt sicher alle schmutzigen Tricks. Ich weiß nicht, ob ich eine Chance habe.”
Die ganze Woche über trainierte Tara für den Kampf. Sie war sich sicher, dass Hades das Gleiche tat. Dann kam der Tag der Entscheidung. Bevor Tara die Arena betrat, sagte sie zu Elli: “Wenn ich heute sterbe, ist es ein ehrenvoller Tod für mich. Versprich mir, dass du auf Nessa aufpasst.” “Das werde ich”, sagte Elli bedrückt. Tara und Nessa sahen sich noch einmal tief in die Augen. Dann ging Tara in die Arena.
Die Arena war ausverkauft, das Volk jubelte und riefen Tara, Tara, Tara. Tara war beeindruckt, dass der Name Tara nach 5000 Jahren vielen Leuten noch etwas sagte. Der Kampf wurde im ganzen Imperium übertragen und Milliarden Bewohner des Imperiums würden ihn verfolgen.
Von der anderen Seite betrat Hades die Arena. Auch ihm jubelten die Zuschauer zu und riefen Hades, Hades, Hades. Wir trafen uns in der Mitte der Arena. Ein hoher Würdenträger kam auf uns zu, mit einer langen, flachen Kiste. Als er vor uns stand, öffnete er die Kiste und sagte: “Dies sind die Schwerter der Macht. Viele wurden durch diese Schwerter Imperator.”
Wir beide schauten auf die beiden Schwerter. Es waren Schwerter, die schon über 15.000 Jahre alt und wundervoll verziert waren. Wir nahmen je ein Schwert und traten fünf Schritte zurück. Der Würdenträger sagte: “Möge der Kampf beginnen und der Bessere gewinnen.” Dann zog sich der Würdenträger aus der Arena zurück. Wir fingen an zu kämpfen. Tara hatte sich vorgenommen, ohne fiese Tricks zu kämpfen. Die ersten fünf Minuten waren mehr ein Geplänkel, wir testeten beide, wie gut der Andere war. Plötzlich griff Hades an, und Tara hatte Mühe, den Angriff abzuwehren. Nur ihrer Schnelligkeit verdankte Tara, dass sie den Angriff überlebte. Jetzt griff Tara an und brachte Hades in Bedrängnis. Aber Hades schaffte es gerade noch, diesen Angriff abzuwehren und das ohne fiese Tricks. Da wusste Tara, dass Hades ein Ehrenmann war und das Imperium bei ihm in guten Händen war. Wieder griff Hades brutal an. Seine Schwertspitze streifte Tara an der Wange, die Wunde fing an zu bluten. Kurz darauf traf seine Schwertspitze Taras linken Unterschenkel, die Wunde blutete stark und Tara knickte leicht nach links ein. Nessa, Elli und Krümel starrten auf die beiden. Krümel war versucht, telekinetisch in den Kampf einzugreifen. Es wäre ein Leichtes für ihn gewesen, Tara Vorteile zu verschaffen, aber Tara hatte strikt verboten, dass sie in den Kampf eingriffen. Bei Nessa liefen die Tränen. Sollte heute und jetzt ihre Tara sterben? Die Frau, die sie schon ein paar Jahrhunderte ihres Weges begleitet hatte?
Tara merkte, dass ihre Kräfte langsam nachließen. Sie wusste, dass sie bei ihrem nächsten Angriff die Entscheidung erzwingen musste. Für weitere Angriffe oder Abwehr hatte sie nicht mehr die Kraft. Tara griff wieder brutal an, trotz ihrer Verletzung am Bein. Hades wehrte sich und trat Schritt für Schritt zurück. Das Glück war auf Taras Seite. Dabei stolperte Hades und fiel rückwärts auf den Boden, verlor dabei sein Schwert aus der Hand. Blitzschnell war Tara über ihm und hielt die Schwertspitze an Hades’ Kehle. Plötzlich war es so still in der Arena, dass man fast das Gras wachsen hören konnte. Die beiden schauten sich in die Augen, und Hades sagte: “Du hast gut gekämpft, Tara, und jetzt bringe es zu Ende.” Tara fing an zu lächeln, nahm die Schwertspitze von Hades’ Kehle und reichte ihm die Hand. Sie sagte: “Es ziemt sich nicht für einen Imperator, im Dreck zu liegen.” Hades ergriff Taras Hand, und sie zog ihn hoch. Dann sagte sie: “Du weißt, dass ich hier auf dem Planeten geboren bin, aber meine Heimat ist woanders. Hiermit ernenne ich dich, Hades, zum neuen Imperator des Imperiums.” Das Volk jubelte.
Tara verließ die Arena und ihre Wunden wurden behandelt. Nach einer halben Stunde war von den Wunden nichts mehr zu sehen. Währenddessen bejubelte das Volk seinen neuen Imperator Hades. Nach einer Stunde trafen Tara, Nessa, Elli und Krümel mit Hades zusammen. Hades bedankte sich für die Hilfe bei den Vieren und Tara sagte: “Jetzt haben wir noch zwei Wochen Urlaub. Wenn du möchtest, Imperator, lassen wir Elli und Krümel hier. Die beiden können dich ein bisschen unterstützen. Elli weiß viel über das Imperium und Krümel ist ein Telepath, wie du weißt. Das wäre auch von Vorteil.” Hades nahm das Angebot dankend an. Tara und Nessa beeilten sich, zur Raumjacht zu kommen und endlich zwei Wochen ungestörten Urlaub zu verbringen.
Als die beiden auf einem paradiesischen Planeten am Strand lagen, sagte Tara: “Wenn wir wieder zu Hause sind, was meinst du, werden wir für die Geschichte von John eine Standpauke anhören müssen?” “Eine Standpauke? Er wird uns die Ohren abreißen”, erwiderte Nessa. “Aber das ist erst in zwei Wochen”, sagte Tara lachend. Leider vergingen die zwei Wochen schnell. Auf dem Rückweg holten sie Elli und Krümel bei Hades ab. Als sie sich von Hades verabschiedeten, sagte er: “Jetzt mal ehrlich, ihr beiden, wie haltet ihr das mit den beiden aus?” und deutete dabei auf Elli und Krümel. “Das fragen wir uns auch oft”, erwiderte Nessa. Krümel sagte: “Alles Ellis Schuld, ihr wisst ja, sie und ihre große Klappe.” “Große Klappe? Wer von uns beiden hat denn Hades’ Couch mit Keksen voll gekrümelt?” Tara meinte: “Hades, wenn du möchtest, kannst du die beiden behalten.” “Nein, nein, nehmt die beiden bloß wieder mit”, sagte Hades. Wir drei lachten.
Fortsetzung folgt