Die Invasoren
John Pain, der Chef der westlichen Abwehr, befand sich in seiner Kommandozentrale in Grönland, 500 Meter unter dem Eis. Obwohl er wie der nette Nachbar von nebenan aussah, gehörte er zu den mächtigsten Männern der Erde, neben Chekov, dem Chef der russischen Abwehr, und Lee, dem Chef der chinesischen Abwehr. Wenn er auf dem Bürgersteig einen Regenwurm sah, bückte er sich, hob ihn auf und legte ihn zur Seite, damit der Wurm nicht zertreten wurde. John Pain war in Gedanken versunken und dachte an Nessa, die Frau, die eine fünfjährige Spezialausbildung bei ihm absolviert hatte. Im Vergleich zur Navy-Seals-Ausbildung war die ein Kinderspiel. Er konnte nicht glauben, dass Nessa bei dem Absturz auf den Mars gestorben war. Irgendetwas sagte ihm, dass sie noch lebte. Eine Rettungsaktion würde mindestens drei Jahre dauern, bevor ein Schwesterschiff von der Terra fertiggestellt werden konnte. Aber er konnte sich auf sein Gefühl verlassen. Es wurde auch gesagt, dass er einen siebten Sinn hatte und ohne Lügendetektor feststellen konnte, ob ein Mensch lügt oder nicht. Er war kein Mutant, sondern eher ein Halbmutant. Er konnte keine Gedanken von anderen Menschen lesen.
Es gab einen Alarm und Oberstleutnant Diedrich stürmte ohne Vorankündigung in das Büro von Oberst John Pain. “Wir haben ein Objekt auf dem Radarbildschirm, das sich der Erde nähert”, sagte er. “Ein Meteor?”, fragte Oberst Pain. “Nein, es ändert Geschwindigkeit und Kurs. Es ist ein Raumschiff”. “Wie groß ist es?”, fragte Oberst Pain. “Etwa 500 Meter im Durchmesser”, antwortete er. Oberst Pain befahl, eine direkte Verbindung zu Chekov und Lee herzustellen. Nach einigen Minuten erschienen sie auf dem Monitor. Oberst Pain fragte: “Habt ihr das Raumschiff auch auf euren Radarschirmen?” Beide bejahten dies. Lee sagte: “Wir haben gerade eine Meldung erhalten, dass ein Energiestrahl die Sahara getroffen hat. Zufälligerweise haben wir eine Drohne in der Nähe, die in fünf Minuten vor Ort sein wird”. Oberst Pain sagte: “Was sucht ihr in der Sahara? Es gibt nur Sand. Ich werde erst mal in Ruhe meinen Kaffee trinken”.
Nach fünf Minuten meldete sich Lee wieder und sagte: “Die ersten Messergebnisse kommen rein. Wo der Energiestrahl auftraf, ist jetzt ein Lava-Streifen von 300 Metern Länge, 150 Metern Breite und 100 Metern Tiefe”. Oberst Pain antwortete: “Wenn so ein Energiestrahl eine unserer Metropolen trifft, wird es unschön. Wir werden die Erde in Alarmbereitschaft versetzen, aber wir halten erst mal den Ball flach. Mal schauen, was sie wollen. Sie sind sicherlich nicht hier, um auf einem Wochenmarkt Gemüse zu kaufen”.
Eine aufregende Nachricht erreichte die Weltbevölkerung in Form einer Video-Botschaft aus einem Raumschiff. Die Botschaft wurde weltweit empfangen und auf allen Fernsehsendern ausgestrahlt.
Nessa startete die Triebwerke und die Hangartore glitten zur Seite. Unser kleines Raumschiff nahm Fahrt auf und die Tore schlossen sich wieder hinter uns. Tara sagte zu Nessa: “Aktiviere den Anti-Ortungsschirm.” Als wir den Weltraum erreichten, sahen wir auf unserem Ortungsschirm, wie das Raumschiff aus der Erdumlaufbahn ausbrach und Kurs auf den Mond nahm. Wir näherten uns von der Rückseite der Erde und hofften, dass das Raumschiff uns trotz eingeschaltetem Anti-Ortungsschirm nicht orten konnte. Um sicherzugehen, schlugen wir eine Kreisbahn um die Erde ein, zwischen den vielen Satelliten, wo sie uns sicherlich nicht orten würden. Tara fragte Nessa: “Mit wem sollen wir Kontakt aufnehmen?” Nessa antwortete: “Mir fällt da Oberst John Pain ein. Er ist der Chef der westlichen Abwehr und man sagt, er könne ohne Lügendetektor erkennen, ob jemand lügt oder nicht. Ich habe unter ihm eine Spezialausbildung genossen.” Tara fragte: “Wo werden wir ihn finden?” Nessa antwortete: “Das wissen nur wenige. Sein Stützpunkt ist streng geheim, aber er wird sicherlich dort sein. Ich weiß nur nicht, wie wir ihn finden sollen.” Elli sagte: “Ich werde den Stützpunkt schon finden.” Elli zapfte 250 Großserver der Erde an und suchte nach Anhaltspunkten. Die Webseiten huschten nur so über ihren Schirm.
Nach 20 Minuten sagte Elli: "Ich glaube, dass ich den Stützpunkt gefunden habe. Der befindet sich in Grönland, ziemlich weit im Norden." Elli gab die Längen- und Breitengrade bekannt: "Der Stützpunkt wurde 1962 eröffnet und diente als Militärstützpunkt. Seit 1985 wird er als Tankstützpunkt für Transportmaschinen genutzt." Tara sagte: "Das ist schlau gemacht. So kann man Mannschaften und Material transportieren, ohne dass es auffällt." Nessa sagte: "Bo eh, können die keinen Stützpunkt in der Karibik bauen? Dann könnten Tara und ich am Strand ein paar Cocktails schlürfen. Aber nein, jetzt muss ich mir den Arsch abfrieren. Ich hasse Kälte." Elli sagte: "Nessa, stell dich nicht so an. Wir sind hier nicht bei 'Wünsch dir was'." Nessa schaute Elli böse an. Tara musste lachen. In der Nähe fanden wir schnell einen etwas größeren Eisberg mit einem Vorsprung, wo wir unser Raumschiff gut vor neugierigen Augen verstecken konnten. Der befand sich 23 km vom Stützpunkt entfernt. Wir konnten ja schlecht mitten auf dem Stützpunkt landen und sagen: 'Hier sind wir!' Draußen herrschten Minus 18 Grad. Nessa sagte: "Glaubt ihr etwa, dass ich bei dieser Kälte rausgehe? Ich habe nicht einmal meine dicken Socken mit." Elli erwiderte: "Das Püppchen soll sich nicht so anstellen." Tara musste lachen. Nessa warf Elli einen Notizblock gegen den Kopf. Elli sagte: "Jetzt werde ich hier schon misshandelt." Nessa erwiderte: "Wenn du mich noch einmal Püppchen nennst, mache ich dir ein Knoten in die Beine." Tara sagte: "Wir werden warten, bis es dunkel ist. In 2 Stunden ist es so weit."
Sie zogen ihre Kampfanzüge an, die aus Mikrotechnik bestanden und ihnen erlaubten, zu fliegen, einen Schutzschirm aufzubauen und sogar unsichtbar zu werden. Die Anzüge waren ihr wichtigstes Werkzeug für diese Mission. “Elli, du bleibst hier und bewachst unser Raumschiff”, sagte Tara zu ihrer Begleiterin. “Wenn du 24 Stunden lang nichts von uns hörst, kannst du uns diskret helfen.” “Ich werde den Haufen schon aufmischen”, erwiderte Elli mutig. Tara schaute sie böse an, sagte aber nichts weiter. Nessa und Tara flogen los und erreichten den Rand des Stützpunktes innerhalb von zehn Minuten. Ihr Ziel war es, die Kommandozentrale zu finden und zu beobachten. Sie entdeckten eine kleine Lagerhalle, in der sich einige Menschen aufhielten. Dank ihrer Unsichtbarkeit konnten sie die Halle betreten, ohne entdeckt zu werden. Schließlich fanden sie einen Aufzug und fuhren damit in die Tiefe, um sich der Kommandozentrale zu nähern. 500 Meter unter dem Eis stiegen sie aus dem Fahrstuhl aus und begaben sich auf die Suche nach Oberst Pains Büro. Sie fanden es schließlich, aber es war verschlossen. Am nächsten Morgen betrat Oberst Pains Sekretärin das Büro, um ihm eine Kanne Kaffee zu bringen. Nessa und Tara nutzten die Gelegenheit, um sich unbemerkt in das Büro zu schleichen. Als die Sekretärin das Büro verließ, betrat Oberst Pain den Raum und fragte: “Gibt es etwas Neues?” Die Sekretärin antwortete: “Nein, außer dass der Fahrstuhl eine Fehlfunktion hatte und ohne Passagiere nach unten fuhr. Ich habe bereits ein Techniker-Team losgeschickt, um das zu überprüfen.” Nachdem die Sekretärin das Büro verlassen hatte, zog Oberst Pain einen Revolver aus seiner Schreibtischschublade und richtete ihn auf Nessa, obwohl sie unsichtbar war. “Wie du siehst, weiß ich genau, wo du stehst”, sagte er. “Ich werde bis zehn zählen. Wenn du bis dahin nicht sichtbar bist, drücke ich ab.” Er begann zu zählen: “1…2…3…4…5…6…7…8…”
Nessa wurde sichtbar und Oberst Pain staunte nicht schlecht, als er sie vor sich sah. Er kannte ihre Akte genau und wusste, dass die Mars-Mission gescheitert war und das Raumschiff auf dem Mars zerschellt war. Ihm fiel sofort auf, dass Nessa einen seltsamen Anzug trug. Dann wurde auch Tara sichtbar. Oberst Pain schaute Tara mit großen Augen an und fragte: “Was kann ich für die Damen tun?” Er vermutete, dass Nessa und Tara nicht auf herkömmliche Weise hierher gekommen waren, aber er blieb gelassen und packte seinen Revolver zurück in die Schublade. “Möchten die Damen einen Becher Kaffee?” fragte er höflich. Sie bejahten und er wandte sich an seine Sekretärin über die Sprechanlage: “Ich möchte die nächsten drei Stunden nicht gestört werden, außer die Welt bricht auseinander.” Tara stellte sich vor und fragte: “Haben Sie etwas dagegen, dass unser kleines Raumschiff mit unserer Begleiterin hierher kommt? Es ist in der Nähe.” Oberst Pain gab über die Sprechanlage eindeutige Befehle an Oberstleutnant Dietrich und Tara nahm Kontakt mit Elli auf. Sie sagte ihr, dass sie die Landeerlaubnis für den Stützpunkt hatte und zu ihnen kommen konnte.
Oberst Pain schaltete einen großen Monitor an der Wand an, der das Landefeld zeigte. Oberstleutnant Dietrich hatte mit seinen Männern bereits das Landefeld erreicht, man konnte jedes Wort verstehen. Das Raumschiff setzte sanft zur Landung an und eine Rampe fuhr heraus. Elli schritt halb herab und blieb stehen. Sie schaute sich um und sagte zu Oberstleutnant Dietrich: “Bist du der Heini, der hier was zu sagen hat?” Er nickte mit dem Kopf. Elli fuhr fort: “Ich sehe weit und breit keinen roten Teppich. Oder soll ich etwa meine kleinen, süßen Füßchen hier auf den Betonboden schmutzig machen?” Oberstleutnant Dietrich starrte Elli an, war so verdutzt, dass er nach hinten zu seinen Männern schrie: “Einen roten Teppich, sofort!” Drei Männer stürmten los.
Nach 20 Minuten betrat Elli das Büro und Oberst Pain schaute sie an. Elli schaute zurück und sagte: “Und du bist der Big Boss. Was für ein Sauhaufen hier. Das nächste Mal wird der Teppich abgesaugt, bevor er vor mir ausgelegt wird.” Sie ging zum Schreibtisch von Oberst Pain, setzte sich hin und nahm ihre Füße auf den Tisch. Dann sagte sie: “Mach du erst mal drei Wochen Urlaub, denn ich bringe hier den Haufen erst mal auf Vordermann.” Oberst Pain war im ersten Moment sprachlos. Dann sagte er: “Vor zwei Tagen haben wir von dem Raumschiff eine Videonachricht erhalten. Schaut sie euch mal an.” Der Monitor wurde angeschaltet und das Video spielte ab. Es wurde ein Humanoid gezeigt, der einen Kopf wie eine Echse hatte. Tara sagte sofort: “Das ist ein Mink. Vor 5000 Jahren war es ein Nomadenvolk, das Planeten und Raumschiffe überfiel. Sie haben nur einige Stützpunkt-Planeten.” Der Mink fing an zu sprechen: “Hier spricht Kommandant Zog. Ihr habt genau 50 Tage Zeit, eure Goldreserven an mich auszuliefern, sonst vernichte ich euren Planeten.” Dann schaltete Oberst Pain ab. “Der war ja nicht gerade gesprächig”, sagte Nessa. Elli sagte: “Tara, hast du die Inneneinrichtung im Hintergrund des Videos gesehen? Es ist eindeutig ein Schiff von unserem Volk.” Oberst Pain fragte: “Hat das Schiff die Machtmittel, um unsere Erde zu zerstören?” Darauf antwortete Elli: “Vor 5000 Jahren hätte schon ein Schiff der 500-Meter-Klasse das Sonnensystem in Schutt und Asche legen können.” Oberst Pain fragte: “Was wollen sie mit dem ganzen Gold?” Tara antwortete: “Gold braucht man, um Überlicht-Triebwerke und Waffen herzustellen. Gold ist sehr rar im Universum und daher sehr wertvoll.” Oberst Pain sagte: “In fünf Stunden treffen die beiden anderen Abwehr-Chefs ein. Wir wollen beraten, was wir machen können. Ich hätte euch gerne dabei.” Elli sagte: “Natürlich sind wir dabei. Bevor ihr irgendwelche Pläne mit euren Atomraketen schmiedet, die nützen nichts gegen das Raumschiff.”
Nach fünf Stunden betraten wir den Konferenzraum. Pavel Chekov, Chef der russischen Abwehr, und Lee, Chef der chinesischen Abwehr, waren bereits anwesend. Beide starrten Nessa an und Chekov fragte: “Ist das nicht die Kommandantin der Mars-Expedition, die mit ihrer Mannschaft ums Leben kam?” Oberst Pain antwortete: “Ja, das ist sie.” Lee schaute zu Elli und sagte: “Was sind das hier für lächerliche Roboter? Ist sie dafür da, falls wir ein Glas umkippen, dass sie den Boden aufwischt?” Er lachte. Elli hob den Arm, ein Finger von ihr zeigte genau auf Lees Fuß. Ein kleiner Energiestrahl löste sich aus Ellis Finger und traf genau den großen Zeh von Lee. Lee schrie auf, sein Gesicht war vor Schmerz verzerrt und er zog seinen Schuh aus. Auf seinem Zeh war ein großer Brandfleck zu sehen. Elli sagte: “Von wegen den Boden aufwischen. Nächstes Mal breche ich dir den Arm.” Lee setzte sich still auf seinen Stuhl und wagte auch nichts mehr zu Elli zu sagen. Es entbrannte eine heftige Diskussion zwischen den drei Abwehrchefs. Wir merkten schnell, dass jeder von ihnen auf seinen eigenen Vorteil bedacht war, um das Bestmögliche für sein Land herauszuholen. Tara schlug mit der Faust auf den Tisch und sagte mit lauter Stimme: “Schluss jetzt, meine Herren. Den Minks interessiert es nicht, ob es auf der Erde Amerikaner, Engländer, Russen oder Chinesen gibt. Für sie sind wir die Bewohner des dritten Planeten der Sonne Sol. Sie wollen das Gold der gesamten Erde. Eure kleinen Machtspielchen interessieren die Außerirdischen nicht.” Elli sagte: “Tara, sei nachsichtig mit ihnen. Es ist noch nicht lange her, dass sie auf Bäumen gelebt haben.” Elli lachte. Pavel Chekov murmelte etwas, das man nicht verstehen konnte, und Lee traute sich gar nichts, gegen Elli zu sagen. Oberst Pain fragte: “Hat diese Blechdose irgendwo einen Ein- und Ausschalter?” Elli wollte gerade etwas sagen, aber Tara schaute sie scharf an, weshalb Elli still war. Plötzlich stand aus dem Nichts ein Mann neben Nessa, er ergriff ihre Hand und beide verschwanden.
Oberst Pain gab sofort Großalarm und die beiden anderen Abwehr-Chefs nahmen Verbindung mit ihrer Zentrale auf und gaben ebenfalls Alarm. Es fand die größte Suche statt, die es je auf der Erde gegeben hatte. Tara sagte: “Gibt es auf der Erde Mutanten? Es war eindeutig ein Teleporter. Nessa kann jetzt überall sein.” Alle drei verneinten, ihnen war nicht bekannt, dass es auf der Erde Mutanten gab. Elli sagte: “War mir klar, dass die drei nichts wissen. Sie haben auch nur einen Kopf auf dem Hals, damit es nicht in den Hals reinregnet.” Tara reagierte scharf und sagte: “Elli, ab mit dir in deine Kabine. Ich will kein Wort mehr von dir hören.” Elli wusste genau, dass sie den Bogen überspannt hatte und es besser war, Tara nicht zu wieder sprechen. Elli verließ den Raum, ohne etwas zu sagen. Oberst Pain fragte: “Haben Sie die technische Möglichkeit, einen Teleporter aufzuspüren?” Tara antwortete darauf: “Nein, das haben wir nicht. Einen Teleporter kann man nur jagen. Wir wissen nicht, über welche Kräfte er verfügt. Durch Nessa hat er eine doppelte Belastung. Es kann sein, dass er nur wenige Kilometer entfernt ist, aber es kann auch sein, dass er auf der anderen Seite der Erde ist. Jeder Sprung kostet ihn Kraft. Irgendwann muss er eine große Pause machen, um sich zu erholen. Wir müssen seine Spur finden. Mehr können wir nicht tun.” Oberst Pain fragte: “Was kann man gegen einen Teleporter tun?” Tara antwortete: “Nicht viel. Gegen Para-Begabte helfen nur Schutzschirme, die sie nicht durchdringen können.” Oberst Pain sagte: “Na toll, wir haben nur Sonnenschirme und Regenschirme.” Tara musste lachen. In der Regel hört man von einem Entführer, da er sicherlich eine Forderung stellen wird. Das große Warten fing an.
Nessa merkte, dass ihre Hand von hinten gepackt wurde. Bevor sie sich umdrehen konnte, fand sie sich in einem anderen Raum wieder. Neben ihr stand ein kleiner Japaner, der immer noch ihre Hand hielt. Er sagte: “Mein Name ist Anko Tanaka, es tut mir leid, dass ich dich entführen musste.” “Wieso musstest du mich entführen und wo bin ich hier?” fragte Nessa. Anko antwortete: “Du befindest dich hier in einer kleinen wissenschaftlichen Station, 30 Kilometer von der Oberst-Pain-Station entfernt. Meine Freunde und ich haben etwas mit dir zu besprechen.” Aus dem Nebenraum traten fünf Personen hervor. Eine Frau kam auf Nessa zu und gab ihr die Hand. Sie sagte: “Ich bin Yoko Matsuri.” Yoko war 26 Jahre alt, sportlich, hatte lange schwarze Haare und war eine Telepathin aus Japan. Die nächste Frau reichte Nessa ebenfalls die Hand und sagte: “Mein Name ist Abbi Baker und ich bin Teleporterin.” Abbi war 25 Jahre alt, schlank, hatte lange blonde Haare und war eine Engländerin, die meinte, immer alles besser zu wissen. Die nächste Frau trat auf Nessa zu, gab ihr die Hand und sagte: “Ich bin Betty Harper.” Betty war eine Telekinetin, 31 Jahre alt, schlank, mit kurzen blonden Haaren und sehr mutig. Sie kam aus Amerika. Ein Mann trat auf Nessa zu und sagte: “Hallo schöne Frau, ich bin Ralf Bieder und ich bin Telepath. Wenn du Lust hast, können wir heute Abend zusammen essen gehen.” Ralf war 29 Jahre alt, schlank, ein Deutscher und flirtete gerne mit Frauen. Nessa fragte in die Runde: “Was ist das für ein Vogel?” Zuletzt kam noch eine kleine Japanerin auf Nessa zu und sagte: “Ich bin Saki Wong und ich bin Telekinetin.” Saki war 22 Jahre alt, eine zierliche Person mit schwarzen schulterlangen Haaren und sehr schüchtern, fast ängstlich. Sie kam ebenfalls aus Japan. Aus dem Nebenzimmer hörte Nessa eine Männerstimme, die fragte: “Ist Nessa schon da?” Anko antwortete: “Ja.” Der Mann sagte: “Wenn Nessa zu mir kommt, kann ich ihr auch die Hand geben.” Nessa und die anderen folgten Anko in den Nebenraum. Nessa sah einen übergewichtigen Mann auf der Couch liegen, der eine Tüte Chips in der Hand hatte. ( Was für ein fauler Sack ), dachte sie. Der Mann stellte sich als Ender Gimdel vor und sagte: “Ich bin Suggestor.” Nessa überlegte, wie sie diesen Mann dazu bringen könnte, von der Couch aufzustehen. Dann fragte sie: “Was wollt ihr von mir?” Yoko antwortete: “Ralf und ich haben durch Zufall deine Gedanken empfangen und erkannt, dass du die mutige Frau bist, die zum Mars geflogen ist.” Ralf fügte hinzu: “Wir haben jedoch bemerkt, dass es zwei Personen in deiner Gruppe gibt, deren Gedanken wir nicht empfangen können. Wer sind sie?” Nessa antwortete: “Das müssen Tara und Elli sein.” Sie grinste. Yoko fuhr fort: “Wir haben auch in deine Gedanken gelesen, dass du dich für das Wohl der Menschheit einsetzen willst, nicht nur für eine Nation.” Anko stimmte zu: “Genau so denken wir auch. Wir wollen uns keiner Nation anschließen, da wir sonst zu gefährlich wären und andere Nationen versuchen würden, uns auszuschalten.” Betty sagte: “Wir suchen einen Anführer oder eine Anführerin, und wir möchten dich haben.” Nessa war überrascht: “Mich?” Alle antworteten gleichzeitig: “Ja.” Ralf fügte hinzu: “Ich diene gerne einer so schönen Frau, und vielleicht haben wir bald die Gelegenheit, bei Kerzenschein zusammen Abendbrot zu essen.” Er grinste. Ender warf ein: “Ich bin auch dabei, solange in der Nähe eine Couch ist, auf der ich mich ausruhen kann.” Nessa antwortete: “Ich werde es versuchen, aber mit mir wird es kein Zuckerschlecken.” Sie bemerkte, wie ängstlich Saki wurde und sagte: “Es wird nicht so schlimm sein, Kleine, du brauchst keine Angst zu haben.” Wir unterhielten uns noch eine Weile, und schließlich bat Nessa Anko, sie zum Stützpunkt zurückzubringen, da die anderen sich sicherlich Sorgen machen würden. Sie wurde sich langsam bewusst, dass sie die mächtigste Person auf der Erde war. Sie hatte nun zwei Teleporter, zwei Telekineten, zwei Telepathen und einen Suggestor. Anko ergriff Nessas Hand, und sie verließen mit teleportsion das Zimmer.
Plötzlich tauchten aus dem Nichts Nessa und ein kleiner Japaner auf. Tara reagierte so schnell und schoß, dass der Japaner keine Chance hatte. Er brach zusammen. Nessa sah Tara mit großen Augen an und sagte: “Musste das sein?” Tara antwortete: “Ja, das musste sein. Ich konnte es nicht riskieren, dass er wieder mit dir verschwindet. Aber keine Sorge, er ist nur betäubt. In 15 Minuten ist er wieder wach.” Nessa erzählte uns, was passiert war, und wir hörten interessiert zu. Nach 15 Minuten öffnete Anko die Augen. Tara reichte ihm die Hand und half ihm aufzustehen. Er war noch etwas benommen. Tara entschuldigte sich bei ihm und sagte: “Es tut mir leid, aber ich hatte keine andere Wahl, Anko.” Tara lächelte ihn an. Anko lächelte zurück und sagte: “Kein Problem. Ich hätte nicht anders reagiert. Ich habe noch nie eine Frau so schnell mit einer Waffe gesehen. Hat Nessa euch erzählt, was passiert ist?” Tara antwortete: “Ja, in groben Zügen.” Anko fragte dann in die Runde: “Darf ich die anderen holen?” Wir schauten zu Oberst Pain, der antwortete: “Nun, ich werde auch noch gefragt, aber du kannst die anderen holen.”
Der Gedanke, sieben Mutanten in seiner Station zu haben, bereitete Oberst Pain Unbehagen. Anko verschwand und nach drei Minuten waren alle sieben Mutanten anwesend. Sie stellten sich gegenseitig vor. Ralf sagte: “Noch eine schöne Lady, da fällt mir aber die Wahl schwer”, und grinste. Tara fragte Nessa: “Was hast du denn da für einen Heini angeschleppt?” Nessa antwortete: “Den müssen wir noch erziehen”, und lachte. Ender schaute nach einer Couch um, aber es gab keine. Er nahm vorlieb mit einem Stuhl und begann zu schwitzen. Nessa sah, wie Elli auf die kleine Saki zuging und mit ihr sprach. Hin und wieder hörte man die beiden lachen. Tara sagte zu Nessa: “Ich frage mich, was Elli der kleinen Saki erzählt. Das kann ja nichts Gutes sein. Die beiden werden bestimmt einen Streich aushecken.” Wir lachten. Nessa sagte zu den Mutanten: “Oberst Pain hat veranlasst, dass jeder von euch eine Kabine bekommt. Morgen früh beginnt das Training.” Ender sagte: “Training? Sport ist Mord. Gibt es hier einen Sanitäter? Ich lasse mich schon mal krank schreiben.” Elli sah auf und sagte: “Ender, du wirst genauso trainieren wie die anderen. Ansonsten mache ich mit dir ein Spitzialtraining. Dann hast du in einer Woche 20 Kilo abgenommen.” Ender verkniff sich eine Erwiderung. Er wusste noch nicht genau, was er von Elli halten sollte. Die Mutanten gingen in ihre Kabinen und Tara unterhielt sich noch mit Nessa über das Trainingsprogramm.
Am nächsten Morgen, nach dem Frühstück, sagte Nessa: “So, meine Freunde, jetzt wollen wir erstmal 5 Kilometer laufen.” Ender erwiderte: “Wie, 5 Kilometer laufen? Das würde mein Ende bedeuten. Kann ich das nicht in 5 Etappen auf einen Monat verteilen?” Nessa entgegnete: “Tara, Elli und ich haben 30 Tage Zeit, um euch fit zu machen. Dann haben wir unseren Einsatz auf dem Mond. Elli, passt du auf, dass Ender auch wirklich seine 5 Kilometer läuft?” Elli antwortete: “Mache ich doch gerne. Ich werde ihm schon Beine machen.” Ein Energiestrahl von Elli traf direkt den Boden vor Enders Füßen, der Boden fing an zu kochen. “Der nächste Strahl wird dich treffen, wenn du nicht losrennst, Ender”, rief Elli. Daraufhin lief Ender los und keiner hätte ihm zugetraut, dass er doch so schnell ist. Nach 5 km brach er zusammen und rief: “Ich brauche ein Sauerstoffzelt, es geht mit mir zu Ende.” Elli sagte: “Sauerstoffzelt? Jetzt werden 50 Liegestützen gemacht, sonst werden wir beide heute Abend nach Feierabend noch ein paar extra Runden machen.” Nessa fragte Tara: “Geht Elli nicht ein bisschen zu hart mit Ender um?” Tara antwortete: “Elli weiß schon, was sie tut.” Nessa und Tara übernahmen dann die Kampfausbildung und die Ausbildung ihrer Para-Kräfte. Nach 30 Tagen war die Truppe fit und hatte auch gelernt, als Team zusammenzuarbeiten.
Nachdem der Einsatz ausgearbeitet war, las Nessa alle Versammelten vor und sagte: “Daran teilnehmen werden Tara, Anko unser Teleporter, Ralf unser Telepath, unsere Telekinetin Saki und Ender unser Suggestor, und ich, Elli. Yuko, Abbi und Betty bleiben als Eingreifreserve hier im Stützpunkt zurück.” Elli sagte: “Boah, immer wenn es spannend wird, darf ich nicht mit. Das ist gemein!” Elli verzog das Gesicht. Tara sagte: “Elli, du weißt doch, dass du mein Ass im Ärmel bist, wenn etwas schiefgeht. Und noch eins, Oberst Pain ist hier der Chef. Du hörst auf ihn.” Elli guckte entsetzt und sagte: “Auch das noch!” und verzog sich schmollend in die Ecke. Ender murmelte vor sich hin: “Hoffentlich haben sie eine Couch im Raumschiff.” Die kleine Saki kam zu Nessa und Tara und sagte: “Ich habe Angst, da mitzumachen.” Sie machte ein ängstliches Gesicht. Wir lächelten sie an und sagten: “Wir passen schon auf dich auf.” Elli sagte aus der Ecke: “Keine Angst, Saki. Wenn etwas schiefgeht, komme ich hoch und räume den Laden auf, dass die Fetzen fliegen.” Und damit hatte Elli nicht einmal übertrieben. Wenn Elli alle ihre offensiven Waffen einsetzt, kann man das Raumschiff danach zu Schrott bringen. Nessa sagte: “Morgen um 8 Uhr ist Start.”
Am nächsten Tag um 7 Uhr begannen wir damit, unsere Ausrüstung im Raumschiff zu verstauen. Um 8 Uhr war es dann soweit und wir starteten unsere Mission. Nessa übernahm die Steuerung, während Tara für die Ortung und Bewaffnung verantwortlich war. Nach einer halben Stunde erreichten wir schließlich die Umlaufbahn des Mondes und schalteten unseren Anti-Ortungsschirm ein. Tara meldete sich zu Wort und sagte: “Ich habe das Raumschiff geortet. Es ist noch 1500 Kilometer entfernt. Nessa, flieg in einen Tiefflug und nähere dich dem Schiff bis auf 30 Kilometer. Wir müssen einen Landeplatz finden.” Nessa folgte Taras Anweisungen und flog das Raumschiff auf nur 30 Meter über den Boden. Sie flog mit einer Geschwindigkeit von 800 km/h. Nessa flog geschickt um die kleinen Hügel herum und wir näherten uns schnell unserem Ziel. Etwa 30 km vor dem Raumschiff fanden wir schließlich eine kleine Senke, in der Nessa das Raumschiff landen konnte. Die Triebwerke kamen zum Stillstand und wir waren endlich am Ziel. Die kleine Saki konnte nicht umhin, Nessa zu loben: “Toll, wie du fliegen kannst!” Tara schlug vor, dass wir zunächst acht Stunden warten sollten. Ralf konzentrierte sich auf die Gedanken der Minks und wir ließen ihn in Ruhe arbeiten. Nach drei Stunden meldete sich Ralf schließlich zu Wort und berichtete: “Es war anfangs schwierig für mich, ihre Gedanken zu lesen. Aber ich habe herausgefunden, dass sich 39 Minks auf dem Schiff befinden. Sie haben das Raumschiff auf einem Wüsten-Planeten gefunden, der 42 Lichtjahre von hier entfernt ist. Es gab keine Besatzung auf dem Schiff und sie haben es übernommen. Sie haben einen Teil der Bedienung des Schiffes gelernt, wie beispielsweise die Steuerung und die Bewaffnung. Die Minks haben Gerüchte gehört, dass es auf unserem Planeten Gold zu holen gibt. Ihr eigenes Schiff befindet sich derzeit auf Warteposition am Rande unseres Sonnensystems. Sie vermuten, dass das Raumschiff zu Flotte deiner Heimatwelt gehört, Tara.”
Tara ahnte Schreckliches, was in den letzten 5000 Jahren auf ihrer Heimatwelt geschehen war. Und dann kam auch noch ein Schiff so nahe an dieses Sonnensystem heran. Sicher war, dass die Menschheit noch lange nicht so weit war, um gegenüber einer außerirdischen Zivilisation bestehen zu können. Aber Tara hielt ihre Gedanken für sich und machte sich Sorgen um die Menschheit. Plötzlich sagte Tara: “So ein Mist, ich habe ihr Raumschiff in der Ortung. Bei ihrer Geschwindigkeit werden sie in 2 Stunden hier sein. Wir müssen uns schnell etwas einfallen lassen, bevor sie Verstärkung bekommen.” Nessa überlegte kurz und sagte dann: “Ich glaube, ich habe eine Idee.”
Nessa erzählte uns ihren Plan. Sie sagte: “Ralf, kannst du die Gedanken des Kommandanten empfangen?” Ralf antwortete: “Ich werde es versuchen.” Er konzentrierte sich eine Weile und sagte dann: “Ich habe ihn gefunden.” Nessa fuhr fort: “Gib die Gehirnwellenmuster an Emder weiter. Emder, in genau einer halben Stunde suggerierst du dem Mink, dass ein Meteor auf den Mond zurast und in zwei Stunden einschlagen wird. Anko, du nimmst Saki und Tara mit ins Raumschiff und bringst sie in den Maschinenraum. Ihr müsst den Antrieb lahmlegen, damit sie nicht mehr starten können.” Anko nahm Saki und Tara an der Hand und teleportierte mit ihnen in den Maschinenraum. Danach verschwand Anko sofort wieder.
Wir wollten den Antrieb zu sabotieren. Plötzlich wurden wir von hinten beschossen. Tara wurde am Arm getroffen und schrie auf. Saki reagierte schnell und schleuderte den Kampfroboter mit ihrer telekinetischen Kraft gegen die Wand. Der Roboter zerfiel in seine Einzelteile, die Funken sprühten und klirrend zu Boden fielen. Tara sagte zu Saki: “Das war super. Aber wir müssen uns beeilen, bevor sie Alarm schlagen. Alle Eindringlinge werden von den Robotern angegriffen.” Es roch nach verbranntem Fleisch. Saki fragte: “Geht es dir gut? Dein Arm blutet.” “Es ist nicht so schlimm”, antwortete Tara, “aber ich brauche einen Verband.” Saki wickelte ein Stück Stoff um Taras Arm und wir machten uns weiter auf den Weg. Nach ein paar Minuten fanden wir die richtige Stelle. Saki riss mit ihrer Kraft die Kabel aus der Wand und kappte die Verbindung zum Antrieb. Das Raumschiff war nun bewegungsunfähig.
Die Minks waren in ihrem Raumschiff unterwegs, als die Ortung meldete: “Ortung an Kommandant, wir haben auf dem Schirm einen Meteor, der aus dem Nichts auftauchte. Er wird in zwei Stunden auf den Mond einschlagen.” Der Kommandant überzeugte sich selbst davon, dass es sich tatsächlich um einen Meteor handelte. Er nahm Kontakt mit seinen Leuten auf dem Mond auf und fragte: “Habt ihr den Meteor auch auf eurem Schirm?” Die Antwort kam prompt: “Ja, haben wir. Es gab einen Zwischenfall: Ein Roboter lag zerstört im Maschinenraum. Keine Ahnung, was die Ursache war.” Der Kommandant winkte ab: “Das ist jetzt nicht so wichtig. Wir landen in einer halben Stunde neben euch. Dann nehmen wir euch auf und werden das Raumschiff zerstören. Wir kommen mit Verstärkung zurück. Das Gold lassen wir uns nicht durch die Lappen gehen.” Das Raumschiff landete neben der riesigen Kugel und wirkte daneben klein, obwohl es eine Länge von 250 Metern und einen Durchmesser von 80 Metern hatte. Es hatte eine Walzenform. Nach einer Stunde waren die Minks an Bord ihres Raumschiffs und starteten es. Sie nahmen Fahrt auf und wollten das Raumschiff in einer Entfernung von 100.000 km vernichten. Der Kommandant wollte gerade den Feuerknopf drücken, als plötzlich ein Schutzschirm um das Raumschiff gelegt wurde. Der Energiestrahl verpuffte wirkungslos am Schirm. Der Kommandant fluchte: “So eine Scheiße.”
Nessa wurde langsam nervös. Sie wusste nicht, was auf dem Raumschiff geschah. Plötzlich sahen wir auf der Ortung, wie das Mink-Schiff neben dem Raumschiff landete. Ralf, unser Telepath, sagte: “Die Minks verlassen das Raumschiff.” Emder begann langsam zu schwitzen und zeigte Anzeichen von Erschöpfung. Er hatte den ganzen Tag damit verbracht, den Minks vorzutäuschen, dass ein Meteor auf den Mond stürzen würde. Ralf sagte plötzlich: “Die Minks planen, das Raumschiff zu zerstören.” Das Mink-Raumschiff hob langsam ab und beschleunigte. Nessas Sorgenfalten auf der Stirn wurden immer größer. Sie hatte Angst um Tara und Saki.
Plötzlich meldete sich Tara über Funk und sagte: “Ich brauche sofort Anko hier. Hier ist die Hölle los. Hunderte von Kampfrobotern machen Jagd auf uns. Mich hat es schon erwischt.” Nessa sagte: “Anko, teleportiere zum Schiff.” Anko sprang und sah das Chaos, das sich im Korridor ausgebreitet hatte. Saki griff immer wieder erbarmungslos die Roboter mit ihrer telekinetischen Kraft an. Der Korridor sah aus wie ein Trümmerfeld, voll mit Roboterteilen. Auch sie war am Ende ihrer Kräfte und konnte nicht mehr lange durchhalten. Tara nahm Ankos Hand und sagte: “Komm mit mir in die Robotzentrale.” Tara schaute sich kurz um und schlug mit der Hand auf den roten Knopf. Alle Roboter wurden deaktiviert. Tara sagte zu Anko: “Hole die anderen in die Kommandozentrale. Ich komme auch dahin.” Über Funk fragte sie Saki: “Schaffst du es noch, die Verbindung zum Maschinenraum wiederherzustellen?” Saki antwortete mit Ja, doch als sie es geschafft hatte, brach sie total erschöpft zusammen.
Als Tara die Kommandozentrale betrat, waren die anderen bereits anwesend. “Nessa, geh an den Feuerleitstand und ich werde die Kraftwerke hochfahren”, sagte sie. Als die Kraftwerke anliefen, drückte Tara den Knopf für den Schutzschirm und dieser legte sich um das Raumschiff. “Ich habe das Mink-Schiff im Visier”, sagte Nessa. Tara erwiderte: “Wenn du die Minks abschießt, wird die Menschheit erst einmal Ruhe vor den Außerirdischen haben. Wenn nicht, werden die Minks sicherlich mit Verstärkung zurückkommen. Es ist deine Entscheidung.” Würde Nessa den Feuerknopf drücken?
Nessa zog ihre Hand vom Feuerknopf zurück und sagte: “Ich werde sie nicht abschießen. Sie haben uns ja nichts weiter getan und es wird der Menschheit nicht schaden, dass sie eine Bedrohung aus dem Weltall haben. Vielleicht hören die Nationen mit ihren Auseinandersetzungen auf und fangen an, in anderen Bahnen zu denken.” Tara nahm Platz auf dem Kommandanten-Sessel und sagte zu Nessa: “Jetzt geh an das Steuerpult und du darfst das Raumschiff fliegen.” Nessa schaute Tara mit großen Augen an und fragte: “Wirklich?” Und schon saß sie im Sessel am Steuerpult. Tara genoss es, nach 5000 Jahren wieder Kommandantin eines Kampf-Raumschiffs zu sein.
Tara nahm über Funk kontakt mit Oberst Pain auf: “Oberst, ich brauche einen Quadratkilometer Platz auf dem Landefeld. Wir werden zurückkommen.” Anschließend wandte sie sich an Elli und sagte: “Ich brauche ein Pflaster, ich habe mich verletzt.” Elli erschien vor der Kamera und fragte: “Wer hat dir das angetan? Ich werde ihn in der Luft zerreißen.” Tara antwortete: “Das brauchst du nicht mehr. Das hat buchstäblich schon unsere Saki getan. In einer Stunde landen wir.” Die Verbindung wurde unterbrochen. Tara wandte sich an Nessa und sagte: “Also, Dampf auf den Kessel. Kurs Erde.” Nessa reagierte prompt, startete den Mailer und gab Schub auf die Düsen. Das Raumschiff erhob sich von der Mondoberfläche und nahm Kurs auf die Erde. Nessa umrundete die Erde fünf Mal, bevor sie zur Landung ansetzte. Das Raumschiff war weltweit auf allen Radarstationen zu sehen. Schließlich setzte Nessa das Raumschiff sanft auf dem Landefeld auf.
Oberst Pain hatte alles sorgfältig vorbereitet, damit Tara und Nessa eine Ansprache an die Menschheit halten konnten. Die Ansprache würde weltweit über alle Medien ausgestrahlt werden und 10 Reporter durften dabei sein. Die beiden sollten über das Geschehene auf dem Mond berichten, insbesondere über die Minks und die von ihnen ausgehende Gefahr. Tara begann ihre Rede und erklärte, wie sie in dieses System kam und dass sie bereits 5000 Jahre alt und unsterblich war. Sie erzählte von ihren Abenteuern auf der Erde, die sie in den Jahrtausenden erlebt hatte. Nessa ergänzte Taras Ausführungen und berichtete über ihre eigenen Erfahrungen. Während der Ansprache wurden Tara und Nessa von den Reportern mit Fragen bombardiert, die sie wahrheitsgemäß beantworteten. Die Ansprache dauerte insgesamt fünf Stunden. Zum Schluss der Ansprache sagte Tara: “Wir suchen noch 5000 Männer und Frauen, die uns auf den Mars begleiten. Ihr habt eine Woche Zeit, euch zu bewerben.” Die Reporter waren beeindruckt von der Rede und stellten weitere Fragen. Tara und Nessa beantworteten sie geduldig und ausführlich. Oberst Pain war mit der Ansprache zufrieden und beglückwünschte die beiden Frauen zu ihrem gelungenen Auftritt.
Nach einer Woche fragte Nessa Tara, wie viele Bewerbungen eingegangen waren. “Oh, es sind 4.658.526 Bewerbungen”, antwortete Tara. Nessa schaute Tara an und sagte: “Wie sollen wir die denn alle durchsehen?” Wir schauten uns an und fingen an zu grinsen - wir hatten eine Idee. Tara rief Elli, die zu uns in die Kabine kam. “Du hast doch sicherlich Lust auf eine Herausforderung?”, fragte Tara. Elli antwortete: “Wenn du so fragst, kommt mir das schon komisch vor.” Tara sagte zu Elli: “Du weißt ja, dass wir 5000 Menschen für den Mars suchen. Ich habe ein paar Bewerbungen auf dem Rechner und möchte, dass du die Besten auswählst. Ich vertraue auf dein Urteil.” Elli sagte: “Das klingt nach einer interessanten Aufgabe.” Elli setzte sich an den Rechner. Als sie sah, dass es über 4 Millionen Bewerbungen gab, schaute sie uns an und sagte: “Ihr seid wohl verrückt geworden, euch ist wohl langweilig. Das könnt ihr schön alleine machen, ich bin raus.” Tara sagte: “Wir geben dir auch eine Stunde Zeit.” Wir verließen die Kabine und hörten noch, wie Elli fluchte, aber sie machte sich an die Arbeit. Nach einer Stunde betraten wir wieder die Kabine und Elli sagte: “Ich bin fertig und habe die 5000 Männer und Frauen ausgewählt.” Nessa sagte zu Elli: “Schicke ihnen eine E-Mail, dass sie in zwei Wochen hier eintreffen sollen.”
Einen Tag vor dem Start zum Mars hatten wir noch eine Besprechung: Nessa, Oberst Pain, die 7 Mutanten und Tara. Wir einigten uns darauf, dass Nessa die Mutanten und unsere 5000 Begleiter anführen sollte. Sie und Tara würden ein wachsames Auge auf die Erde haben.
Nachdem die Besprechung beendet war, meldete sich Tara zu Wort: “Ich habe da noch etwas für euch.” Sie stellte eine Schatulle auf den Tisch, öffnete sie und nahm neun Halsketten heraus, jede mit einem kleinen eiförmigen Anhänger. Acht der Halsketten hatten schwarze Anhänger und eine hatte einen dunkelblauen Anhänger. Tara erklärte: “Das sind Zellaktivatoren, die euch relative Unsterblichkeit verleihen. Ich denke, ihr seid alle wichtig für die Menschheit aufgrund eurer Fähigkeiten und deshalb schenke ich euch die Unsterblichkeit.” Alle schauten Tara an, aber keiner sagte etwas. Die Blicke wanderten zwischen Tara und den Zellaktivatoren hin und her. Tara fuhr fort: “Der Blaue ist für Nessa. Ich trage auch einen Blauen, aber der Unterschied zu den Schwarzen ist, dass der Blaue sich nach ein paar Stunden auf Nessas Gehirnschwingungen einstellt und nur von ihr getragen werden kann. Wenn jemand anderes ihn tragen würde, käme es zu einer extremen Zellwucherung und der Körper würde explodieren. Die Schwarzen können von jedem Lebewesen getragen werden.” Es herrschte Stille. Tara fuhr fort: "Aber Achtung, es gibt ein paar Regeln. Die Aktivatoren stoppen nur euren Alterungsprozess. Wenn ihr euch eine Kugel durch den Kopf schießt, seid ihr trotzdem tot. Wenn ihr mehr als 60 Stunden von eurem Aktivator getrennt seid, setzt sich sofort ein extremer Alterungsprozess in Gang. Innerhalb von fünf Stunden werdet ihr zu Greisen, dann zu Mumien und danach zerfallt ihr zu Staub." Eine unheimliche Stille herrschte im Raum. Keiner wusste, was er sagen sollte, außer Nessa, die sagte: “Na gut, gib mir den Blauen her, dann muss ich mir keine Sorgen mehr machen, dass ich jemals Falten am Po bekomme.” Alle lachten. Sie griffen nach einem Zellaktivator und hängten ihn um. Nun begannen alle, Tara mit Fragen zu bombardieren, woher sie die Aktivatoren hatte. Sie antwortete: “Ich habe sie mal von einem Freund bekommen, aber ich habe versprochen, nie über ihn zu reden. Sogar Elli weiß nicht, wie die Aktivatoren funktionieren und wie solch eine Technologie in so ein kleines Ding passt.” Als Nessa und Tara allein im Raum waren, sagte Nessa: “Tara, du hast dein Ziel nach Jahrtausenden endlich erreicht. Du hast jetzt ein Raumschiff, mit dem du deine Heimatwelt erreichen kannst.” Tara erwiderte: “Weißt du, Nessa, meine Heimatwelt habe ich das letzte Mal vor 5000 Jahren gesehen. Alle, die ich kannte, sind schon seit Jahrtausenden tot. Ich glaube, ich bin schon mehr Terranerin als ich es mir selbst eingestehe. Jemand muss auf die Menschheit aufpassen und dich kann man auch keine fünf Minuten alleine lassen.” Beide Frauen lachten.
Am nächsten Tag verabschiedeten wir uns von Oberst Pain. Als wir starteten, stand Oberst Pain am Rand des Landefeldes und beobachtete, wie das Raumschiff langsam abhob, immer schneller wurde und in den Himmel verschwand.
Fortsetzung folgt